Oö: Kleine Feuerwehren einsparen „wäre ein gefährliches Spiel“ (ad RH-Bericht)
Linz (Oö): „Mit Zwang geht sicher nichts“, sagt Landtagsabgeordneter Friedrich Bernhofer zur Diskussion um zu viele Feuerwehren im Land. Dies hatte der Rechnungshof kritisiert.
Er weiß, wovon er spricht. Musste er doch in seinen 22 Jahren als Bürgermeister (VP) von Engelhartszell nur einmal eine Niederlage im Gemeinderat hinnehmen: als er mit einem Grundsatzbeschluss aus drei Wehren zwei machen wollte. „Heute weiß ich, dass so etwas nicht geht. Wenn, dann nur bei ausführlichster Kommunikation mit der Basis.“
Ein Nachdenken über Teile des Rechnungshofberichtes sinnvoll findet Michael Hutterer, Kommandant der FF Schärding. „Zumindest die Ausrüstungsverordnung, wonach jede Feuerwehr ein Löschfahrzeug haben muss, ist nicht mehr zeitgerecht.“ Beim Thema Zusammenlegen warnt Hutterer aber: „Das halte ich für ein gefährliches Spiel. Wir haben jährlich ein Hochwasser und profitieren da von der Vielzahl an Feuerwehren in den Nachbargemeinden.“
Gar als „vollkommenen Blödsinn“ bezeichnet Friedrich Hauer, stv. Landesfeuerwehrkommandant, die Kritik. „Trotz noch so moderner Geräte müssen viele Arbeiten händisch geleistet werden. Und dafür brauchen wir jeden Aktiven.“ „Rechnungshof und Politiker wissen nicht, was sie anstellen. Diese Aufregung drückt nur auf die Motivation der Mitglieder. Dabei ist es jetzt schon schwierig, Menschen zu finden, die rund um die Uhr für uns bereit sind“, sagt Karl Hochdaninger, Kommandant der FF Bad Ischl. Besser wäre es, wenn es landeseigene Betriebe Mitarbeitern erleichtern würden, während der Arbeitszeit auszurücken. „Aber da hört man von den Politikern in Linz nichts.“
„Viele würden aufhören“
Wenig Freude mit der Rechnungshofkritik hat auch Ludwig Scheuer, Kommandant der kleinen FF Götzendorf: „Ich bin dagegen, außer Zusammenlegungen passieren auf freiwilliger Basis.“ Mehr Feuerwehren würden ein Mehr an Ausrüstung und ein rascheres Eintreffen am Einsatzort garantieren. Er warnt: „Bei einer Zusammenlegung würden viele Kameraden aufhören.“
„Eine Zusammenlegung wäre Blödsinn, das würde der Bevölkerung auf den Kopf fallen“, sagt Martin Bayr, Kommandant der FF Ödenkirchen (Gemeinde Ulrichsberg), die heuer erst einmal ausrücken musste. „Die Zahl der Mitglieder würde um die Hälfte abnehmen, denn einen Wechsel zu einer anderen Feuerwehr nehmen nur ein paar Idealisten hin.“
In jüngerer Vergangenheit hat es allerdings einige Fusionierungen gegeben. So wurden in Eberstalzell aus vier Wehren zwei. In Thalheim wurde aus Bergerndorf und Edtholz die neue Feuerwehr Am Thalbach. In Frankenburg gab es früher – so wie in Vöcklamarkt – neun Feuerwehren. Jetzt sind es sieben, nachdem sich die FF Frein mit der FF Frankenburg vereinigt hat. Die FF Ottkönigen hat sich aufgelöst.
Einzigartig ist die Situation bei Windischgarsten. Dort gibt es für Windischgarsten, Edlbach und Roßleithen nur eine Feuerwehr.
Von oben herab geht gar nichts
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Rechnungshofdirektor Helmut Brückner das heiße Eisen „Strukturreform Feuerwehr“ anpackt. Weil es ein Jahr vor Landtags- und Gemeinderatswahlen passiert, können sich Politiker als Retter der freiwilligen Helfer ins Rampenlicht stellen. Hinter vorgehaltener Hand geben Funktionäre zu, dass Fusionierung sinnvoll sei. Offiziell sagt das natürlich keiner. Dennoch gibt es Gemeinden, in denen es geklappt hat. Im Bezirk Wels-Land war Eberstalzell der Vorreiter – weil sich die Politik heraushielt.
Rückblende auf 1999: Drei der vier Feuerwehren im Ort brauchen dringend ein neues Haus. Daher wirbt der damalige VP-Bürgermeister Franz Krumphuber bei Feuerwehr-Versammlungen öffentlich für eine Fusionierung. Sein VP-Vize ist einer der Kommandanten, die klein beigeben sollen, er fällt ihm in den Rücken. Dann kommt auch von einer zweiten Wehr ein Nein. Die Fusion scheint gestorben.
2003 übernimmt mit Josef Weiermair ein neuer Mann bei der Ortsfeuerwehr das Ruder. Er habe damals das Gefühl gehabt, das Thema Fusionierung stehe weiterhin im Raum, erzählt der heute 48-jährige Kommandant. Er suchte daher im Frühjahr 2004 mit seinen Kollegen der drei anderen Wehren Spieldorf, Hermannsdorf und Hallwang das Gespräch. „Ich fand offene Ohren und Gesprächsbereitschaft“, erinnert sich Weiermair. Die Politik habe sich freilich herausgehalten. Denn: „Von oben herab geht gar nichts.“ Lediglich die Amtsleitung war gelegentlich eingebunden.
Sie vermittelte auch einen Coach, der die Feuerwehrfunktionäre ein Klausur-Wochenende und mehrere Sitzungen lang begleitet hatte. Die Spieldorfer klinkten sich aus der Fusions-Debatte aus. Die Mitglieder der drei anderen Wehren stimmten im Februar 2005 ab: 84 Prozent sagten Ja zur Einbindung von Hermannsdorf und Hallwang in die Ortsfeuerwehr. Etwa zehn bis zwölf Prozent der Mitglieder seien verloren gegangen, sagt Weiermair. Nun habe seine Feuerwehr statt 78 aber 155 Mitglieder, eine feuerwehrrote Einsatzzentrale neben der im Bau befindlichen Autobahn-Abfahrt und ein neues Tanklöschfahrzeug.
Die „Feuerwehr-Fusionierung“ hat also geklappt. Sein Konzept habe er bereits mehrmals verschickt. Und heute habe ihn Landesfeuerwehrkommandant Johann Huber in sein Büro nach Linz gebeten. Weiermair ist geschieden und Vater von drei Töchtern. Der Diplomingenieur arbeitet bei Fronius in Wels.
OÖN – Kommentar:
Es gibt zu viele Feuerwehren. Mit dieser Feststellung hat sich der Landesrechnungshof gehörig in die Nesseln gesetzt. Unabhängig davon, ob es in dem einen oder anderen Fall möglich sein würde, Wehren zusammenzulegen: Mit einer Weisung von oben herab kann das ganz sicher nicht funktionieren. Das wissen vor allem jene Bürgermeister, die in diesem Bereich den Sparstift ansetzen wollten. Ihnen setzten die freiwilligen Helfer die geballte Macht der Kameradschaft entgegen.
Wer gute Argumente hat, der muss diese mindestens ebenso gut kommunizieren. Nur mit viel Überzeugungskraft an der Basis und ganz sicher ohne Druck ist in diesem Bereich etwas zu erreichen.
Rechnungshof prüfte Oö. Feuerwehrwesen (Artikel hier auf Fire-World)
