Oö: FF Haag/H. -> Gefahrguttag in der Wacker-Chemie
Haag am Hausruck (Oö): Am Samstag, dem 14.06.2008, hatte die Haager Feuerwehr im Rahmen von TUIS die Möglichkeit, einen Schulungstag bei der Werkfeuerwehr der Wacker Chemie in Burghausen durchführen zu können.
TUIS bedeutet „Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem“ und wird von der deutschen Chemischen Industrie betrieben. Feuerwehren und Behörden erhalten bei Gefahrgutunfällen Unterstützung mit Rat und auch mit Tat. Besonders für die Haager Feuerwehrleute als Gefahrgutlehrlinge ist diese Unterstützung sehr wichtig.
Der Übungstag begann mit einer theoretischen Einführung über TUIS und den Ablauf eines Gefahrguteinsatzes nach der GAMS Regel. Ebenso wurde der Wacker Konzern vorgestellt.
Gleich im Anschluss wurde die erste Übung des Tages absolviert.
1. Übung
Übungsannahme war ein Gefahrgutaustritt bei einem alten Bauernhof. Der Besitzer kam dem Einsatzleiter entgegen und verkündete, dass verschiedene Gefahrstoffe in Fässern auslaufen. Er selbst kam mit dem Medium in Berührung. Durch sein Verhalten hat er gleich einmal auch den Einsatzleiter kontaminiert. Unter anderem musste auch das Pflanzenschutzmittel E605 schadlos gemacht werden.

Rigoroses Absperren der Einsatzstelle sowie das Sichern der Gefahrstoffe auf einer festen Unterlage ist hierbei sehr wichtig. Weiters ist das Auffangen von auslaufenden Stoffen vorrangig zu erledigen.
Der Dekoplatz der FF Haag wurde aufgebaut und die eingesetzten Vollschutzanzugträger wurden dekontaminiert. Auf Grund der räumlichen Umgebung wurde hier der Fehler gemacht, dass die Einsatzkräfte eine Verschleppung des Gefahrstoffes herbeiführten und so auch die nicht unmittelbar an vorderster Front tätigen Kameraden kontaminierten.
2. Übung
Nach dem Mittagessen wurde die zweite praktische Übung in Angriff genommen. Ein Stückguttransporter krachte gegen einen Kesselwaggon. Der Waggon, beladen mit einer leicht entzündbaren giftigen Flüssigkeit wurde leck, unter dem Transporter war eine Person eingeklemmt. Wieder wurde die GAMS Regel angewandt, der Unfallbereich eingeschäumt, das Leck abgedichtet, die Person geborgen.

Der Transporter wurde kontrolliert und ein Austritt eines grünlichen Pulvers festgestellt. Plötzlich begann der Transport zu rauchen und umgehend wurde die Ladung, bestehend aus Fässern mit „Schweinfurter Grün“ geborgen.
Nun begann aber eine Odyssee. Da es zwischen Einsatzleiter und Vollschutzträgern keine Funkverbindung gab, konnte der ausgetretene Stoff längere Zeit nicht identifiziert werden. Erst nach einiger Zeit gelang es den genauen Stoff zu eruieren.

Als Tagesabschluss wurde noch das Betriebsgebäude der Werkfeuerwehr besichtigt, wo besonders das Turbolöschfahrzeug grosses Interesse hervorrief.
Zusammenfassung:
Es muss angemerkt werden, dass die Feuerwehr Haag über keine spezielle Gefahrgutausrüstung verfügt. Es stehen jedoch sechs Schutzanzüge der Schutzstufe II und ein selbstgebauter Dekoplatz im Einsatz. Im Ernstfall muss daher auch die Gefahrgut Stützpunktfeuerwehr Wels mitalarmiert werden.
Eine optimale Organisation an der Einsatzstelle ist bei solchen Einsätzen unabdingbar.
Eine Verbesserung der Kommunikation mit den Vollschutzträgern muss herbeigeführt werden. Hier kann auch die Gefahrstoff-Checkliste eine wertvolle Hilfe sein.
Dank der Umsicht und der Erfahrung der Ausbildner Peter Derfler und Wolfgang Vilzmann wurde jedoch besonders auf unsere Anforderungen eingegangen.
Müde, jedoch reich an Informationen kehrten die Feuerwehrleute aus Haag abends wieder heim. Dieser Tag wurde von unserem Ausbildungsbeauftragten OAW Helmut Autengruber bestens organisiert. An dieser Ausbildungsveranstaltung haben die Feuerwehren Haag, Pram, Wendling, Rottenbach, Geboltskirchen und Meggenhofen mit gesamt 31 Mann teilgenommen. Weiters waren Bezirkskommandant OBR Schwarzmannseder und Abschnittskommandant BR Riedl teilweise vor Ort.
