Brand

Tirol: Explosion: Einfamilienhaus in Imst völlig zerstört, Leiche gefunden

Imst (Tirol): In einem Einfamilienhaus in der Nähe des SOS Kinderdorfes in Imst ist es am Montagvormittag, dem 5. Mai 2008, zu einer Explosion gekommen. Auch Nachbargebäude sowie Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Die Leiche einer Frau wurde gefunden.

Die Frau, die in dem Haus gewohnt hat, gilt derzeit als vermisst. Es ist aber nicht klar, ob sich die Frau zum Zeitpunkt der Explosion im Haus aufhielt. Zur Stunde werden die Trümmer des Hauses mit schwerem Gerät vorsichtig abgetragen. Eine Gasexplosion scheidet nach letzten Informationen als Ursache aus, da das Haus nicht über einen Erdgasanschluss verfügte.

Der Einsatzort gleicht einem Trümmerfeld. Dort, wo das Haus früher stand, sei nur noch ein großes Loch im Boden, berichteten Feuerwehrleute. „Das Haus liegt nach der Explosion in Schutt und Asche. Es steht nur mehr ein Teil der Garage, alles andere ist nicht mehr vorhanden“, sagte Klaus Raffl, Bezirksfeuerwehrkommandant von Imst, gegenüber ORF Tirol. Mehrere Pkws sind nach der Explosion völlig ausgebrannt. Auch ein benachbartes Gebäude wurde beschädigt. Die Brandexperten der Kriminalpolizei suchen weiter nach der Ursache der Explosion.

Update per 19.19 Uhr:
Die Explosion am Montag in Imst könnte von der Bewohnerin selbst verursacht worden sein. Nachbarn wollen die Frau mit Benzinkanistern gesehen haben. Am späten Nachmittag wurde im Haus eine Leiche entdeckt. In dem im hinteren Teil des total zerstörten Hauses wurde am späten Montagnachmittag eine Leiche gefunden. Vermutlich handelt es sich um die 69-jährige Bewohnerin, die seit dem Unglück als vermisst gemeldet war. Ob es sich um die vermisste letzte Hausbewohnerin handelt, muss durch einen DNA-Abgleich geklärt werden.

Das Einfamilienhaus gehörte nach Angaben von Nachbarn einem geschiedenen Ehepaar. Die 69-jährige Frau hatte zuletzt allein darin gewohnt. Die Einsatzleitung bestätigte am Nachmittag, dass die Frau delogiert hätte werden sollen. Der Delogierung sei ein jahrelanger Rechtsstreit vorangegangen. Der Imster Bürgermeister Gerhard Reheis bestätigte Gerüchte, wonach Nachbarn die Frau vor einigen Tagen mit Benzinkanistern beobachtet hätten. Bei einer Befragung durch die Polizei habe die Frau dann angegeben, dass sie ein Auto ohne Treibstoff gekauft und daher das Benzin gebraucht habe. Der Kauf von Treibstoff sei nicht strafbar, die Betroffene habe „plausibel argumentiert und keinen verwirrten Eindruck gemacht“, erklärte die Polizei. Bei der Explosion wurde das Einfamilienhaus völlig zerstört. Nur noch ein Teil der Garage ist übrig. Zwei Pkws wurden durch die Wucht der Explosion auf die Straße bzw. gegen ein Nachbargebäude geschleudert. Die Autos fingen Feuer und brannten nahezu vollständig aus. Auch das Nachbargebäude wurde schwer beschädigt.

Am Nachmittag stiegen immer noch Rauchwolken auf. Die Explosion gegen 10.00 Uhr sei von vielen Imstern als Erdbeben wahrgenommen worden, hieß es. Erst später habe man die Rauchsäule gesehen, die auch am Nachmittag vom Tal aus zu beobachten war. Ein zufällig vorbeikommender Busfahrer wurde Augenzeuge der Explosion. „Ich stand gerade an der Haltestelle, um Passagiere aufzunehmen. Plötzlich hörte ich einen lauten Knall, dann habe ich gesehen, wie der Dachstuhl durch die Luft geflogen ist. Die Trümmer sind im Umkreis von 150 Metern verstreut worden.“ Die Trümmer des Hauses werden mit einem Bagger vorsichtig abgetragen.
Davon, dass die Frau das Gebäude aus Rache oder Hass in die Luft gejagt haben könnte, will aber noch niemand sprechen. Eine Fahndung nach der 69-Jährigen ist allerdings nicht eingeleitet worden. Die Beweislage sei dazu noch nicht ausreichend. Trotzdem wird der Unglücksort – im Polizeijargon – bereits als Tatort eingestuft, der weiträumig abgeriegelt wurde. Die Feuerwehr stand mit 120 Mann im Einsatz. Spezialisten des Kriseninterventionsteams kümmerten sich um Anrainer. Wie lange die Untersuchungen dauern werden, darüber wagt derzeit noch niemand eine Prognose. Polizei und Feuerwehr stehen allerdings unter Druck. Immerhin könnte die Explosion mutwillig verursacht worden sein. Dutzende Menschenleben waren in der belebten Siedlung in akuter Gefahr.

Update per 6. Mai -> Benzin eindeutig als Explosionsursache
Nach der Explosion eines Einfamilienhauses in Imst gehen die Brandermittler „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ von Benzin als Auslöser aus. Die Obduktion der Toten, die in den Trümmern des Gebäudes gefunden worden ist, soll weitere Erkenntnisse bringen.

Kein Hinweis auf anderen brennbaren Stoff: Es gebe keinen anderen Hinweis auf einen anderen brennbaren Stoff, erklärten die Ermittler des Landespolizeikommandos. Auch seien keine Spuren gefunden worden, die auf das Lagern oder Hantieren mit Sprengstoff hindeuteten.

Leiche in unmittelbarer Nähe der Detonation: Die Kriminalpolizei geht unterdessen der Frage nach, ob die Explosion ein Unfall oder eine geplante Tat war. Die Leiche der 69-Jährigen Frau lag in unmittelbarer Nähe des Ausgangspunktes für die gewaltige Detonation, die das Gebäude in Schutt und Asche legte. Rückschlüsse darauf, dass die 69-Jährige selbst das Benzin entzündet habe, wollten die Kriminalisten nicht machen. Das sei Sache der Staatsanwaltschaft. Das Haus hatte einer Großfamilie gehört. Zuletzt hatte nur noch die 69-Jährige Frau darin gewohnt. Sie sollte am Montag delogiert werden. Das geschiedene Ehepaar hatte jahrelang um das Haus gekämpft.

Schicht für Schicht des Gebäudes abgetragen: Mit einem Bagger hatten Feuerwehr und Brandermittler Schicht für Schicht des Gebäudes abgetragen. Im hinteren Teil wurde dann in den späten Nachmittagsstunden die Leiche der zunächst vermissten Frau entdeckt. Die Polizei ging mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich um die 69-Jährige handle. Das Ergebnis der DNA-Überprüfung soll „in drei bis vier Tagen“ vorliegen.

ORF Tirol
Freiw. Feuerwehr der Stadt Imst

Anmerkung der Redaktion:
Erst am 24. April 2008 war es im oberösterreichischen Haibach auch zu einer Explosion gekommen. Dort blieb von dem Wohnhaus lediglich ein Haufen Schutt und Asche. In Oberösterreich war vermutlich ein Defekt an der Gas-Therme Auslöser für den Zwischenfall, wo jedoch niemand verletzt worden ist.
Fire-World-Bildbericht

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