Tirol: Feuerwehr Elbigenalp ist nicht mehr voll einsatzfähig -> Austritte
Elbigenalper (Tirol): In einer emotionalen Sitzung wurde eine neue Feuerwehrspitze gewählt. Ein Dutzend Elbigenalper sind ausgetreten, aber der Bürgermeister bürgt für Sicherheit.
Der monatelange Streit zwischen der Feuerwehr Elbigenalp und der eigenen Löschgruppe aus Grünau ist vorerst beendet. Nachdem Kommandant Ignaz Gerber sich geweigert hatte, die vorgeschriebenen Neuwahlen einzuberufen, musste Bürgermeister Bernhard Singer das Heft in die Hand nehmen. Er lud zur außerordentlichen Jahreshauptversammlung. Am Ende des hektischen Zusammentreffens waren neuer Vorstand und Kommandant gewählt.
Grünauer nie offiziell angelobt: Lange war am Mittwochabend, dem 30. April 2008, allerdings nicht wirklich klar, ob überhaupt gewählt werden konnte. Denn bei der Löschgruppe Grünau hatte sich eine Besonderheit eingeschlichen. Obwohl keine eigenständige Wehr wurden vom jeweiligen „Kommandanten“ selbständig neue Mitglieder aufgenommen, ja sogar eigenständige Wahlen durchgeführt. Alle in Elbigenalp akzeptierten diesen Modus Vivendi.
Der juristische Formalakt, wie die Ausstellung eines Ausweises oder die Angelobung durch den echten Kommandanten aus Elbigenalp wurde jahrzehntelang nie vollzogen. Und genau hier setzten der scheidende FW-Chef Ignaz Gerber und weitere „Durfer“ an. „Wenn hier schon seit Monaten vom Gesetz gesprochen wird, dann fordern wir die genaue Einhaltung des Feuerwehrgesetzes ein. Ich kenne einige Grünauer, die heute wählen sollen, gar nicht“, ätzte Gerber. Sie seien allesamt nicht Mitglieder der Elbigenalper Wehr und somit auch nicht wahlberechtigt.
Streit um Zulassung zur Wahl: Diese Argumentation unterstützte auch Bezirksfeuerwehrinspektor Roland Kramer: „Ein Kommandant muss jedes einzelne Mitglied seiner Wehr persönlich aufnehmen. So ist das Gesetz.“
Dies erzürnte wiederum alle Grünauer, die darauf verwiesen, dass sie ja alle dem Bezirksverband gemeldet worden seien. „Einige von uns sind schon für jahrzehntelange Mitgliedschaft ausgezeichnet worden und jetzt sollen wir gar keine Feuerwehrler mehr sein. Das ist doch absurd“, erklärte Fredy Kerber.
BM Singer unterbrach kurz die Sitzung und beratschlagte sich mit Landeskommandantstellvertreter Johann Papp und BFK Otto Pallhuber. Singer entschied sich gegen juristische Spitzfindigkeiten und für den Hausverstand: Er ließ alle im Saal zur Wahl zu.
Der scheidende Kommandant Ignaz Gerber warf BM Singer daraufhin ein letztes Mal vor, dass „dieses Vorgehen vollkommen illegal“ sei, stürmte vor zum Sitzungstisch, gab seinen Ausweis ab und verließ erbost den Gemeindesaal. Seinem Beispiel folgte umgehend ein Dutzend weiterer Florianijünger – das sollte noch Folgen haben.
Die rund 80 verbliebenen Feuerwehrler aus Elbigenalp und dem Weiler Grünau schritten zur Wahl und kürten Johann Pitschnau mit 72 Prozent Zustimmung zum neuen Feuerwehrchef. Künftiger Vize ist Erwin Haider, Kassier Klaus Schiffer und Schriftführer Hubert Feurstein. Unter Punkt „Allfälliges“ forderte Pfarrer Otto Walch alle Anwesenden auf, „am gemeinsamen Schlauch zu ziehen“.
Noch am Abend der Wahl gab es eine Besprechung, um die Einsatzfähigkeit sicherzustellen. BFI Roland Kramer: „Weil es so viele entscheidende Rücktritte gab, können Tanklöschfahrzeug und Bergeschere nicht mehr in Einsatz gehen. Keine Angst, die Einsatzpläne wurden sofort geändert, die Wehren aus Bach und Häselgehr helfen aus.“ Nach weiteren Austritten in den Folgetagen ist nun auch der Drehleitereinsatz fraglich. BM Singer beruhigt: „Die Bereitschaft ist weiter gegeben, die Sicherheit in keinem Punkt gefährdet.“
