Brand

Deutschland: Großfeuer in Essener Schule – Schwieriger & langwieriger Einsatz

Essen (Deutschland): Am Nachmittag des 11. Februar 2008 hat es in der Folkwang-Hochschule in Essen Werden gebrannt. Dabei wurde das Dach des Ostflügels auf einer Länge von etwa 30 Metern vollständig vernichtet.

Der Flügel hat eine Gesamtlänge von etwa 65 Metern und ist rund 15 Meter breit. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende dreieinhalbgeschossige Gebäude mit Schulungsräumen blieb zwar vom Brand weitestgehend verschont, allerdings ist es durch den massiven Löschwassereinsatz beeinträchtigt. Nur so konnten die etwa 150 Einsatzkräfte ein Übergreifen auf die angrenzenden Flügel des denkmalgeschützten Gesamtobjektes verhindern.

Der Ausbruch des Brandes wurde um 15.13 Uhr von der automatischen Brandmeldeanlage erkannt und -ebenfalls automatisch- in die Leitstelle der Feuerwehr Essen weitergeschaltet. Um 15.21 Uhr trafen die ersten Einheiten ein. Von außen war zunächst nichts zu erkennen. Kein Hinweis darauf, wie weit der Brand entwickelt war und sich in den nächsten Minuten mit Rasanz ausbreiten sollte. Kurz darauf stieg Rauch aus der Mitte des Daches auf. Sofort wurden umfangreiche Kräfte nachalarmiert (in der Sputze waren es 150 Frauen und Männer), zeitgleich hatte der erste vorgehende Trupp im Dachboden den Brandherd lokalisiert. Zu diesem Zeitpunkt war die Hitze allerdings so intensiv, das ein weiteres Vordringen nicht mehr möglich war.

Trotz zusätzlich angelegter Hitzeschutzkleidung zogen sich auch routinierte Einsatzkräfte aus dem Bereich zurück: „Einfach unmöglich, an das Feuer heranzukommen“, sagte ein erschöpfter Kollege, als er wieder an der frischen Luft war. So blieb nur der Einsatz von außen, zuerst über tragbare Leitern durch den Innenhof und Drehleitern von außen, später, als der Brand sich entwickelt hatte, nur noch über Drehleitern. Für den Erfolg des Einsatzes erschwerend waren folgende Tatsachen: Der Dachboden wird als Fundus des Folkwang-Theaters genutzt, also befand sich eine hohe Brandlast im Objekt.

Die eigentliche Dachkonstruktion war zwar brandschutztechnischen Erfordernissen angepasst, trotzdem lieferte die hölzerne Konstruktion dem Feuer zusätzliche Nahrung. So konnten sich die Flammen unterhalb der mit Schiefer eingedeckten Dachhaut ausbreiten. Der über dem Fundus liegende, etwa 50 Zentimeter hohe Spitzboden beschleunigte den Vorgang. Auch der hölzerne Fußboden zum darunter liegenden Geschoss brannte an vielen Stellen durch und machte die Arbeit der Wehrmänner von dort teilweise unmöglich.

Während am Dach die Löscharbeiten liefen, brachten Brandschützer und Mitarbeiter Musikinstrumente in Sicherheit, wo das nicht möglich war, mussten Plastikplanen helfen. Ganz früh waren aus dem nicht betroffenen Teil des Dachbodens wertvolle Messgewänder in Sicherheit gebracht worden. Vorsichtshalber musste auch die Schatzkammer geräumt und die Kunstgegenstände in der benachbarten Abteikirche eingelagert werden. Um 23.00 Uhr liefen noch immer Nachlöscharbeiten. Mittlerweile waren fünfzehn Flüssigkeitssauger im Einsatz, die das Löschwasser wieder ins Freie bringen sollten. Der Gesamtschaden ist zur Zeit noch nicht abzusehen.

Update – 12.2.2008, 12.00 Uhr: Der Brand am Ostflügel der Folkwang-Hochschule in Essen-Werden ist per 12. Februar 2008, 12.00 Uhr, noch nicht vollständig gelöscht. Während der Nachtstunden flackerten immer wieder kleine Brandnester auf, die von den Einsatzkräften aber rasch erstickt werden konnten. Zur Zeit sind mehrere Löschfahrzeuge und zwei Drehleitern vor Ort, Höhenretter tragen Teile der eingestürzten Dachkonstruktion ab, um an darunter liegende Glutnester zu gelangen. Zwischenzeitlich ist auch ein Statiker eingetroffen, der die Standfestigkeit des Objektes beurteilen wird. Dann können die Brandermittler mit ihrer Arbeit beginnen. Während der ganzen Nacht waren die Feuerwehrmänner auch damit beschäftigt, möglichst große Mengen des Löschwassers wieder aus dem Objekt heraus zu pumpen. Insgesamt waren während des Einsatzes etwa 150 Kräfte aus Freiwilliger- und Berufsfeuerwehr vor Ort, tatkräftig vom Technischen Hilfswerk unterstützt. Etwa die gleiche Anzahl arbeitete im Hintergrund an der erforderlichen Logistik und besetzten die „leeren“ Wachen der Berufsfeuerwehr. Noch ist nicht absehbar, wann der Einsatz der Feuerwehr beendet werden kann.

Update – 12.2.2008, 16.00 Uhr: Mehr als 24 Stunden nach Beginn der Löscharbeiten am Dach des Ostflügels der Folkwang-Hochschule sind noch immer Feuerwehrkräfte an der Einsatzstelle. Derzeit wird Brandschutt aus dem Dach mit einer am Feuerwehrkran hängenden Mulde entfernt, um Last aus dem Objekt heraus zu nehmen. Ununterbrochen laufen die Flüssigkeitssauger und Tauchpumpen, die Löschwasser ins Freie pumpen. Das Technische Hilfswerk bringt im Inneren des Gebäudes Abstützungen an. Die Brandermittler der Kriminalpolizei haben ebenfalls die Arbeit aufgenommen. Zur Schadenhöhe gibt es auch seitens der Leitung der Folkwang-Hochschule keine Angaben, da über die Art und den Zustand der im Gebäude gebliebenen Musikinstrumente noch keine Klarheit besteht. Eine Übersicht darüber wird es erst in den nächsten Tagen geben. Da die Elektroversorgung an zentraler Stelle abgeschaltet werden musste, sind auch die nicht vom Brand betroffenen Gebäudeteile im Moment nicht nutzbar.

Update – 13.2.2008, 10.00 Uhr: Am Tag zwei nach dem Großbrand im Ostflügel der Folkwang-Hochschule ist die Feuerwehr noch immer mit Einsatzkräften an der Brandstelle. Nachdem gestern mit Einbruch der Dunkelheit die Arbeiten eingestellt wurden, blieb über Nacht erneut eine Brandwache vor Ort. Die Abstützmaßnahmen des THW sind bereits abgeschlossen, bis auf wenige Flächen können die Brandermittler jetzt das Gebäude betreten. Heute wird in Absprache mit den Brandermittlern der betroffene Teil des Daches weiter abgeräumt, dazu steht der Feuerwehrkran mit Schuttmulden und weitere Löschfahrzeuge bereit. Nach jetzigen Erkenntnissen werden die letzten Feuerwehreinheiten am Nachmittag die Einsatzstelle verlassen.

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