USA – Californien: Risko lange unterschätzt & Feuerwehrausrüstung überaltert
Californien (USA): Erstmals seit vier Tagen gibt es per 25. Oktober 20076 in Kalifornien Hoffnung, die verheerenden Brände zumindest zum Teil unter Kontrolle zu bringen. Grund ist ein lange ersehnter Wetterumschwung. Doch nun rührt sich Kritik an den Behörden und Gouverneur Arnold Schwarzenegger.
Die Regierung habe es versäumt, ihre Lehren aus früheren derartigen Katastrophen zu ziehen. Lange versprochene Löschfahrzeuge seien nie geliefert worden, die Ausrüstung sei teils veraltet – und das ist nicht das einzige Problem bei der Bekämpfung der Brände.
Zu wenig und zu alte Ausrüstung:In Kalifornien hat die bisher schwerste Brandkatastrophe in der Geschichte des US-Bundesstaates Schäden in Milliardenhöhe angerichtet. Fast eine Million Menschen mussten vor den Feuern fliehen. Bis Donnerstag gelang es, zumindest einige der zahlreichen Brandherde einzudämmen. Tausende Hektar Fläche und über 1.500 Häuser galten allerdings weiterhin als akut bedroht.
Kritik an der Regierung: Während die Löschmannschaften damit zumindest erste Erfolge verzeichnen können, wird nun Kritik an den Behörden laut. Diese hätten das Risiko einer derartige Katastrophe womöglich zu lange unterschätzt, hieß es am Donnerstag. In Kalifornien brennen beinahe jedes Jahr Hunderte Hektar Land.
Versprochene Ausrüstung nicht geliefert: Genau aus diesem Grund hätte die Regierung des US-Bundesstaats unter Gouverneur Arnold Schwarzenegger als Konsequenz aus der letzten größeren Brandkatastrophe im Jahr 2003 auch die Anschaffung einer großen Zahl von Löschfahrzeugen verfügt – 150 Stück, wie die „Los Angeles Times“ am Donnerstag berichtete. Bisher seien aber lediglich 19 bestellt worden. Sie dürften erst zur Waldbrandsaison im nächsten Jahr eintreffen, hieß es weiter.
Veraltet: Hubschrauber können nicht starten: Außerdem stammten Hubschrauber, die für Löscheinsätze bereitstehen, teils noch aus der Zeit des Vietnam-Krieges. „Wir hatten Helikopter, aber sie konnten wegen des Wetters nicht fliegen“, zitiert die „L. A. Times“ einen Abgeordneten aus Orange County in Kalifornien. Das Resümee: Die Löschmannschaften kämpften mit zu wenig und veralteter Ausrüstung gegen die Katastrophe an.
Feuerwehrmänner überfordert: Im US-Nachrichtensender CNN hieß es, dass auch ein Teil der Löschmannschaften mit dieser Art von Einsätzen nicht vertraut sei. Viele der insgesamt fast 9.000 Feuerwehrmänner, die seit Tagen gegen die Buschbrände ankämpfen, wurden aus den Städten Kaliforniens zusammengezogen.
„Männer kommen von Innenstadt-Wachen“: „Die Männer kommen von Innenstadt-Stützpunkten. Wir sind es gewohnt, irgendwo hineinzugehen und ein Feuer ein, zwei Stunden, vielleicht drei zu bekämpfen“, so Einsatzleiter Rick Linsky gegenüber CNN.
Nun stünden die Männer bereits seit Tagen im Dauereinsatz, meist in Zwölfstundenschichten oder noch länger.
Hoffen auf erste Entspannung: Langsam dürfen die Löschmannschaften allerdings auf Entspannung hoffen. Meteorologen erwarten, dass die heftigen Winde, die die Brände zuletzt immer wieder angefacht hatten, nun zunehmend abflauen. „Wir rechnen damit, dass am Donnerstag alles ziemlich vorbei ist“, sagte Noel Isla vom Büro des Nationalen Wetterdienstes in San Diego.
Fünf Brandherde seien bereits am Mittwoch gelöscht worden, 15 Feuer brennen noch, hieß es. Anfang der Woche hatten die Stürme über dem Katastrophengebiet Geschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern erreicht.
Wolken aus Rauch und Asche: Das Inferno hatte mehr als 1.700 Quadratkilometer in eine schwarze Wüste verwandelt. Weite Teile der amerikanischen Westküste lagen auch am Mittwoch noch unter einer schwarzen Wolke aus Rauch und Asche. Mindestens sechs Menschen kamen laut offiziellen Angaben ums Leben, 70 wurden verletzt, fast die Hälfte davon Feuerwehrmänner.
Südkalifornien am schwersten betroffen: Allein im schwer getroffenen Bezirk San Diego im Süden Kaliforniens hätten die Brände einen Schaden von mindestens einer Milliarde Dollar (710 Mio. Euro) angerichtet, wurde ein Sprecher der Katastrophenbehörde. zitiert. Insgesamt legten die Flammen in Südkalifornien über 1.500 Gebäude in Schutt und Asche.
Verdacht auf Brandstiftung: Die kalifornische Polizei geht währenddessen dem Verdacht der Brandstiftung in mehreren Fällen nach. Nach einem Bericht der „L. A. Times“ wurde nördlich von Los Angeles ein Verdächtiger festgenommen, ein weiterer wurde erschossen, als er zu fliehen versuchte. Mehrere Häuser seien durchsucht worden, hieß es weiter. Weitere Verdachtsfälle gebe es in der Region um San Diego, hieß es weiter.
Vorangehender Fire-World-Bericht (inkl. 2 Videos)
