Kroatien: Erste Bewährungsprüfung für die österr. Feuerwehrauslandseinheit in Kr
Biograd (HR): Montag, 21. Mai 2007 – der erste Tag mit Übungseinsätzen für die österreichische Feuerwehreinheit „Craft Austria“, die derzeit nach einem Auftrag des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes in Kroatien operiert und an der internationalen Katastrophenschutzübung IDASSA 2007 im Raum Zadar / Biograd teilnimmt.
Ab ca. 10.00 Uhr vormittags musste die 52 Personen starke und mit 15 Einsatzfahrzeugen ausgerüstete Einheit am 21. Mai 2007, dem ersten offiziellen Übungstag, mit ihren Aufträgen rechnen. Letzte Vorbereitungen und Briefings waren abgeschlossen, als die Einheit gleich mit der ersten Bewährungsprobe konfrontiert wurde: Anstatt eines gemeinsamen Einsatzes, erhielten die Österreicher gleich zwei verschiedene Aufgaben, die zudem auch örtlich rund sieben Kilometer von einander entfernt lagen. „Brand im Bereich des Hafens“ sowie Erdbebeneinsatz (also ein typischer Search and Rescue-Einsatz (suchen und retten) machten die strategische Teilung der Craft-Austria erforderlich. Hinzu kam damit verbunden die Aufgabe, dass sich auch das eingespielte Einsatzleitteam aufteilen und jede Gruppe eine jeweils eigene Aufgabe zu leiten hatte.

Nach der Teilung in ungefähr zwei gleich starke Einsatzgruppen übernahmen die beiden Team-Leader Heimo Krajnz (Berufsfeuerwehr Graz) sowie Richard Feischl (Bezirks-Feuerwehrkommando Mödling) die Führung je einer Hilfeleistung.

Brand im Hafengebiet:
Im Tanklager des Hafens wurde ein Brand von zwei Kesselwaggons mit Treibstoffen angenommen. Eine vorangehende Explosion hatte zudem auch für eine Zahl von Verletzten gesorgt. Zudem musste mit der Gefahr von freigewordenen chemischen Substanzen gerechnet werden. Hier konnten die Österreicher bei der Rettung der Verletzten sowie Bergung der toten teilweise nur mit der Schutzstufe II (schwerer Atemschutz und Schutzanzug) vorgehen, was bei den sommerlichen Temperaturen auch physisch eine Belastung für die eingesetzten Helfer war. Weitere Feuerwehrleute stellten den Brandschutz an den Waggons sicher bzw. führten einen Schwerschaumangriff durch. Als Zusatzaufgabe galt es nach dem Bewältigen dieses Szenarios eine Unterstützungsaufgabe, Atemschutzträger nahmen gemeinsam mit Kräften aus Ungarn einen Löschangriff auf ein brennendes Schiff vor. Des weiteren kam es noch zu einem größeren Styrol-Austritt (Gefahrgut), Auch hier leisteten die Österreicher entsprechende Unterstützung und anders als geplant, waren es dieses Mal sie selbst, die – Personen und Fahrzeuge – von einer anderen Nation von den kontaminierten Schadstoff gesäubert werden musste. Eine der Spezialgebiete von Craft-Austria liegt bei dieser Übung in der Dekontamination von Personen, die Übung hat jedoch wie im Ernstfall auch gezeigt, dass sich die Feuerwehren gerade durch ihre Flexibilität und durch ihr Improvisationsvermögen sich den rasch ändernden Bedingungen oder eben unvorhergesehenen Situationen ebenfalls anpassen können.
Die ebenfalls der Craft-Austria angehörende Gruppe der Johanniter aus Wien war bei dem Hafen-Szenario mit der Versorgung zahlreicher Verletzter beschäftigt.

Österreicher als Erdbebenhelfer:
Mit ihrer technischen Kompetenz konnten sich die Österreicher beim Erdbebenszenario profilieren. Zu diesem Zweck waren mehrere kleinere Gebäude entsprechend auf die Übung vorbereitet worden. Die Craft-Austria war einer der ersten Hilfseinheiten an der Örtlichkeit und übernahm dort erste Search-and-Rescue-Aufgaben, indem Gebäudehohlräume nach Verschütteten bzw. Eingeschlossenen abgehorcht bzw. mit durch kleine Öffnungen geschobenen Kameras abgesucht, um dann die eigentlichen Rettungsmaßnahmen mit Unterstützung von technischem Gerät vorzunehmen. Dabei konnten auch taktisch interessante Erkenntnisse für künftige Realeinsätze gewonnen werden. Aber auch das Know-how in Hinsicht auf die Einsatzführung fand ihren Beweis an Praxistauglichkeit. Weitere, aus verschiedenen Ländern anrückende Einheiten meldeten sich bei den Österreichern und erwarteten ihre Einsatzaufträge, so dass die anfängliche Leitung der Gruppe im Laufe des Tages zur Gesamteinsatzleitung des kleinen Übungsdorfes ausgedehnt hat. Trotz der unvorhergesehenen Teilung der Gruppe am Morgen, bestand Craft-Austria jedoch auch diese Probe mit Bravour.

Erst am späten Nachmittag konnten die beiden Einheiten wieder in ihr Camp in Biograd einrücken. Spätestens am Dienstag früh, werden sie mit den nächsten Aufgaben konfrontiert werden.

Ziele dieser Großübungen:
Österreich stellt übrigens eines der größten Auslandskontingente der 18 teilnehmenden Nationen und konnte bereits am Tag 1 beweisen, dass sich das Feuerwehrwesen Österreichs auf internationaler Basis sehen lassen kann! Eines der wichtigsten Ziele dieser Großübungen auf internationaler Basis ist nicht nur das Arbeiten der einzelnen Gruppe selbst, sondern das Zusammenarbeiten der Einheiten am Einsatzort, die zudem aus verschiedenen Staaten kommen, sprich unter anderem die Überwindung der Kommunikationshürden und der sprachlichen Unterschiede.
In den höheren Ebenen geht es um das Trainieren der erforderlichen Koordination der Einheiten aus den einzelnen Ländern, wie es bei einem echten Großschadensereignis erforderlich ist und in der Vergangenheit auch bereits mehrfach erforderlich war.
