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Niederlande: 100 Pferde aus Hochwasser gerettet

Niederlande: In den Niederlanden wurde in einer dramatischen Aktion das Leben von rund 100 Pferden gerettet. Die Tiere waren vor drei Tagen durch Hochwasser in der Nordsee auf einer kleinen Erhebung nahe der niederländischen Ortschaft Marrum eingeschlossen worden.

Versuche, die Pferde zu befreien, waren zuvor mehrmals gescheitert. Freitagnachmittag, 3. November 2006, gelang es schließlich, die verängstigten und erschöpften Tiere wieder auf sicheres Terrain zu bringen.

Pferde führten Pferde: Die Retter steckten im Wasser einen sicheren Weg ab, über den die Tiere in Sicherheit gebracht werden konnten. Die Einsatzkräfte führten die verängstigten Tiere, darunter mehrere Fohlen, mit Hilfe anderer Pferde an Land. Nach Angaben von Bürgermeister Wil van den Berg sank der Wasserstand und war an den meisten Stellen nur noch knapp einen Meter hoch.
Die Gegend ist von tiefen Entwässerungsgräben durchzogen, außerdem gibt es zahlreiche Stacheldrahtzäune, die im schmutzigen Wasser nicht zu sehen sind – eine große Gefahr für die ohnehin schon stark verängstigten und erschöpften Tiere. Taucher kontrollierten zuvor, dass der überschwemmte Boden frei von Zäunen, Drähten und anderen Hindernissen war.

19 Pferde starben: Wie über niederländische Medien bekannt wurde, starb am Donnerstagabend ein weiteres Pferd.
Das Hochwasser bei Marrum in der Provinz Friesland kostete damit seit Dienstag insgesamt 19 Pferde das Leben.
Die holländischen Medien hatten zuvor dramatische Bilder von den verängstigten Pferden veröffentlicht. Dicht gedrängt kämpften sie um jeden noch so kleinen Platz. Auch der böige Wind setzte den bereits ermüdeten Pferden zu. Die Tiere waren von einer durch den Sturm aufgepeitschten brackigen Wassermasse umgeben.
Die Hilfsbereitschaft in den Niederlanden war groß, doch die Rettung gestaltete sich extrem schwierig. Ein Rettungsversuch der niederländischen Armee am Mittwoch, dem 1. November, wurde abgebrochen, weil die Boote auf Grund liefen, bevor sie die Herde erreichen konnten.

Feuerwehr konnte Fohlen retten: Mehr Glück hatte die ortsansässige Feuerwehr am Mittwoch. Ihr gelang es, rund zwanzig Pferde, darunter die kleinsten Fohlen, per Boot zu retten. Doch der weiteren Aktion machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Einsatzkräfte versuchten am Donnerstag erneut, die Pferde mit Booten zu retten. Die Boote hatten allerdings wiederum zu viel Tiefgang und liefen auf Grund.

Tierschützer wollen klagen: Die Tierschutzpartei der Niederlande kündigte eine Klage gegen den Besitzer der Herde an, die frei lebend in einem Schutzgebiet gehalten wurde. Die Tierschützer wiesen darauf hin, dass der Wetterdienst rechtzeitig vor der Flut gewarnt habe. Einer der Verantwortlichen des Schutzgebiets sagte, die Tiere seien zunächst auf höheres Gelände gebracht worden. Sie seien aber bei einem ersten nächtlichen Rettungseinsatz im Scheinwerferlicht in Panik geraten.

Österreichischer Rundfunk

Bericht der Oö. Rundschau: In einer dramatischen Aktion haben Helfer an der niederländischen Küste am Freitag eine seit Tagen von Hochwasser eingeschlossene Pferdeherde gerettet. Die etwa 100 Tiere folgten in einer langen Reihe mehreren Reitern durch das Wasser und erreichten schließlich den sicheren Deich. Ein Pferd verendete, etwa 20 der Tiere waren bereits in den vergangenen Tagen ertrunken. Die Herde hatte jenseits eines Deiches bei der Ortschaft Marrum in der Provinz Friesland geweidet, als eine Sturmflut in der Nacht zum Mittwoch die Wiesen überschwemmte. Die meisten Tiere konnten sich vor dem Hochwasser auf einen kleinen Hügel zurückziehen. Dort wurden sie mit Wasser und Futter versorgt. Mehrere Rettungsversuche waren in den vergangenen Tagen abgebrochen worden. So liefen Boote, mit denen die Armee die Pferde zum Deich bringen wollten, unter dem Gewicht der Tiere auf Grund. Die Helfer entschieden daraufhin, ein Absinken des Wasserstandes abzuwarten, damit die Pferde aus eigener Kraft ihrer Zwangslage entkommen konnten. Am Freitagmittag war es soweit: Ein Tierarzt bescheinigte den Pferden bis auf wenige Ausnahmen einen kräftigen Zustand. Durch Messungen der Wassertiefe wurde ein günstiger Weg gefunden und mit Bändern abgesteckt. Taucher kontrollierten, dass der überschwemmte Boden frei von Zäunen, Drähten und anderen Hindernissen war. Dann ritten vier Reiter zu der Herde, ihre Pferde nutzten sie als „Locktiere“.
Die Herde schloss sich ihren Artgenossen an und stürmte durch die grauen Fluten auf den mehrere hundert Meter entfernten Deich zu. Deutlich zu erkennen war, wie sich die schwächeren Tiere am Ende des Zuges mit gesenktem Kopf nur noch mühsam vorwärts quälten. Ein Pferd blieb zunächst nur 30 Meter vor dem rettenden Deich im Wasser stehen. Doch mehreren Helfern gelang es, auch dieses Tier in Sicherheit zu bringen. Die Rettungsaktion wurde live im niederländischen Fernsehen übertragen. Reporter und Zuschauer mussten einigen Abstand halten, damit die gestressten Pferde nicht noch nervöser wurden. Kritik gab es an dem Besitzer der Herde und an den Naturschützern von „It Fryske Gea“. Der Organisation gehört die Wiese, auf der die Pferde vom Hochwasser überrascht worden waren. Der Besitzer habe es versäumt, die Pferde rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, obwohl der Wetterdienst vor Sturm und Hochwasser gewarnt habe.

Oö. Rundschau

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