Oö: Flugunternehmer Knaus klagte: „Heer fehlt Lizenz für Löschflüge“
Ebensee (Oö): Drei Monate nach den Waldbränden in Ebensee sprühen noch immer die Funken – zwar nicht mehr am Berg, aber zwischen Feuerwehr und Privat-Flugunternehmer Knaus: Dieser hat das Heer wegen fehlender „Gewerbeberechtigung“ für Löschflüge angezeigt.
Fast 1,4 Millionen Liter Löschwasser waren im Juli in insgesamt 1276 Flügen mit Heeres-Helikoptern und Flächenflugzeugen zur Bekämpfung der hartnäckigen Waldbrände auf den Berg geflogen worden. Nach dem erlösenden „Brand aus“ nach fast zwei Wochen tat sich für die Feuerwehr eine andere Front auf, auf der es kräftig zu lodern begann: Der Flugunternehmer Knaus aus St. Johann im Pongau zeigte das Bundesheer bei den Bezirkshauptmannschaften Gmunden und Hallein an, weil das Heer allein zum Löscheinsatz kam, obwohl es nicht einmal eine Lizenz zur Durchführung von Löschflügen besitze.
Dreimal so hohe Kosten: „Überall auf der Welt werden Löschflüge zunächst von privaten Unternehmen durchgeführt. Erst wenn deren Kapazitäten erschöpft sind, wird auch das Militär zur Unterstützung herangezogen. Nur bei uns ist es genau umgekehrt“, wettert Roy Knaus, „die Kosten sind außerdem dreimal so hoch wie bei uns Privaten, die zudem wesentlich effektiver in der selben Zeit arbeiten.“
Bezirksfeuerwehrkommandant Robert Benda hingegen findet die Anzeige mehr als befremdlich: „Seit 30 Jahren haben wir mit dem Bundesheer zweimal im Jahr Übungen und bilden gemeinsam mit dem Heer unsere Flughelfer aus. Für die Sicherheit unserer Feuerwehrleute, die 14 Tage freiwillig am Berg gegen die Flammen kämpfen, bedarf es eben anderer Qualitätsstandards, als uns die Privaten bieten können, die nur bloß schnelles Geld machen wollen.“
Feuerwehr bekam Recht: Die Bezirksverwaltungsbehörde gab Feuerwehr und Heer mittlerweile Recht: „Die Anzeige wurde eingestellt“, sagt der Gmundner Bezirkshauptmann Alois Lanz, „erstens sieht das oö. Waldbrandbekämpfungsgesetz die Beiziehung des Bundesheers vor und zweitens unterliegt der Staat nicht der Gewerbeordnung.“
Immerhin eines hat Knaus durch seine Anzeige erreicht: Das Bundesheer weigerte sich, die Löschbehälter und Schläuche, die nach dem Brand wieder ins Tal geflogen werden mussten, zu transportieren. Diese Tätigkeit falle nicht in die Assistenzleistung, hieß es.
Weil die Firma Knaus die einzige war, die sich in der Ausschreibung für diese Aufgabe anbot, musste man Knaus zähneknirschend den Auftrag – und für 105 Minuten Arbeit 6000 Euro geben. Gelöscht ist das Feuer zwischen Knaus und Feuerwehr aber noch lange nicht: „Wenn man mich nötigen sollte, wieder einmal einen privaten Flugunternehmer nehmen zu müssen, werde ich schauen, dass nicht Knaus zum Zug kommt“, sagt Benda.
Oö. Nachrichten
Waldbrand Ebensee 2006 (Fire-World-Bericht)
