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Ägypten: Fährenkatastrophe – Schiff durch zu viel Löschwasser gesunken?

Ägypten: Zwei Tage nach der Fährkatastrophe im Roten Meer werden die Vorwürfe gegen den Kapitän und die Crew immer heftiger. Nicht nur, dass der Kapitän als Erster vom Schiff geflüchtet sein soll – dem Unglück könnte ein schwerer Fehler der Crew vorausgegangen sein:

Wegen des Feuers auf dem Schiff hatte diese Löschwasser an Bord gepumpt – das war aber offensichtlich zu viel. Laut einem überlebenden Schiffsoffizier bekam die Fähre wegen des vielen Wassers plötzlich Schlagseite und sank.

Die Unglücksfähre „Al Salam Boccaccio ’98“ ist nach Darstellung eines Besatzungsmitglieds wegen des vielen an Bord gepumpten Löschwassers gesunken. Ein Schiffsoffizier habe dem ägyptischen Generalstaatsanwalt mitgeteilt, das Schiff habe zum Löschen des unter Deck ausgebrochenen Feuers eine große Menge Meerwasser an Bord geholt und dadurch gefährliche Schlagseite bekommen, berichtete die ägyptische Nachrichtenagentur MENA. Schließlich sei die Fähre gesunken. Der Offizier machte keine weiteren Angaben zu den Vorgängen auf dem Schiff, die von Überlebenden als chaotisch und skandalös beschrieben worden waren. So sollen Kapitän und Besatzungsmitglieder die Fähre als Erste verlassen und die Passagiere im Stich gelassen haben.

„Problem heruntergespielt“: Die Besatzung habe zudem das Problem heruntergespielt – selbst dann noch, als das Schiff schon starke Schlagseite gehabt habe, so die Vorwürfe der Überlebenden. Als die Fähre dann plötzlich zu sinken begann, hätten der Kapitän und die Besatzungsmitglieder als Erste das Schiff verlassen und seien in die Rettungsboote gestiegen.

Rund 1.000 Tote: Beim Untergang des Schiffes in der Nacht zum Freitag, dem 3. Februar 2006, sind wahrscheinlich rund 1.000 Menschen ertrunken. Bis Samstag wurden den Behörden zufolge rund 400 Überlebende geborgen. Rund 200 Leichen seien an Land gebracht worden, meldete die ägyptische Nachrichtenagentur Mena. Hoffnung für die etwa 800 Vermissten gab es kaum noch.

Passagieren Schwimmwesten weggenommen: Die Passagiere hätten dem Kapitän über das Feuer berichtet, das unter Deck ausgebrochen sei, sagte Schahata Ali, ein Überlebender. Er habe aber gesagt, es gebe keinen Anlass zur Sorge. „Wir trugen Schwimmwesten“, fügte Ali hinzu, „sie sagten uns aber, es sei alles in Ordnung, und wir sollten die Schwimmwesten ablegen. Dann nahm die Besatzung uns die Schwimmwesten weg. Als das Schiff zu sinken begann, nahm der Kapitän ein Boot und war verschwunden.“ „Der Kapitän verließ als Erster das Schiff, und wir mussten völlig überrascht mit ansehen, wie das Schiff sank“, sagte Chaled Hassan, ein anderer Überlebender.
Ähnlich lauteten die Berichte weiterer Passagiere: „Es gab ein Feuer an Bord, aber die Besatzung hielt die Leute davon ab, die Schwimmwesten anzulegen, damit keine Panik entsteht“, sagte Abdel Rauf Abdel Nabi, der am Samstag im Hafen von Safaga ankam.

Passagiere beschwichtigt: Nader Galal Abdel Schafi erzählte: „Es gab ein Feuer unter Deck. Die Besatzung sagte aber, ‚keine Sorge, wir löschen das‘. Als es dann wirklich ernst wurde, stieg die Besatzung in die Rettungsboote und ließ uns an Bord zurück.“ Der 34-jährige Rifat Said berichtete: „Die Fähre fuhr noch zwei Stunden mit Schlagseite weiter, dann kenterte sie plötzlich und sank innerhalb von fünf Minuten.“

Rätseln über Notruf: Das Schicksal des Kapitäns, Sajjed Omar, ist bisher nicht geklärt. Unklar blieb zunächst auch, warum die Küstenwache keinen Notruf empfing. Am Freitag hatte die Nachrichtenagentur Mena gemeldet, ein anderes Fährschiff habe ein Notsignal empfangen.

Zu wenige Rettungsboote? Die 35 Jahre alte „Al Salam Boccaccio ’98“ war in der Nacht zum Freitag auf dem Weg von Duba zur ägyptischen Hafenstadt Safaga gesunken. An Bord waren vor allem Ägypter und Passagiere aus anderen arabischen Staaten. Ein Sprecher des Präsidialamtes hatte am Freitag im Fernsehen gesagt, möglicherweise seien nicht genügend Rettungsboote an Bord gewesen.

Österreichischer Rundfunk

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