Ägypten: Schiffskatastrophe – Brand an Bord vor dem Untergang
Ägypten: Auf der am 3. Februar 2006 im Roten Meer gekenterten ägyptischen Fähre hat es Überlebenden zufolge vor dem Unglück gebrannt. Alle Passagiere seien an Deck gebracht worden, das Schiff sei dann plötzlich in weniger als zehn Minuten untergegangen.
Die Zahl der Opfer ist ebenso ungewiss wie die genaue Unglücksursache. Die Angaben über Überlebende sind widersprüchlich, die Polizei spricht von 435, Regierungsstellen von rund 320 Menschen, die lebend geborgen werden konnten. Rund 900 Passagiere werden noch vermisst, für sie gibt es wenig Hoffnung.
Nach dem Untergang einer ägyptischen Fähre im Roten Meer sind nach Polizeiangaben vom Samstag 435 Menschen von Rettungsbooten geborgen worden. Das Verkehrsministerium gab die Zahl der Geretteten dagegen mit 327 an. Eine Erklärung für die unterschiedlichen Zahlen gab es zunächst nicht. Die ägyptische Fähre „Al Salam Boccaccio ’98“ war am Freitag, dem 3. Februar 2006, mit 1.414 Passagieren und Besatzungsmitgliedern gesunken. Die Unglücksursache ist weiter unklar: Augenzeugen berichten von einem Brand an Bord.
Die Fähre hatte am Donnerstag den saudi-arabischen Hafen Dhiba verlassen. Rund 90 Kilometer vor ihrem Ziel, dem ägyptischen Hafen Safaga, sank das Schiff, wie die ägyptische Nachrichtenagentur MENA berichtete. Die genaue Zahl der Todesopfer war auch einen Tag nach der nächtlichen Katastrophe nicht klar.
Rauch aus dem Motorraum: Etwa zwei Stunden nach der Abfahrt sei aus dem Motorraum dicker Rauch aufgestiegen, berichten Überlebende. Die Besatzung habe alle Passagiere an Deck gebeten, um den Brand löschen zu können. Das sei ihr aber offenbar nicht gelungen, sagte ein Augenzeuge. Mit Schlagseite habe die Fähre ihren Weg trotzdem fortgesetzt. Dann sei sie plötzlich in weniger als zehn Minuten untergegangen.
900 weiter vermisst: Die Rettungsarbeiten sind noch im Gange. Aus Sicherheitskreisen hieß es unterdessen, 185 Leichen seien im Meer gefunden und zu einem Stützpunkt der Marine im ägyptischen Safaga gebracht worden.
Mehrere Verletzte wurden in einem Krankenhaus im Urlaubsort Hurghada, der 60 Kilometer nördlich von Safaga liegt, versorgt. Rund 900 Menschen werden weiter vermisst.
Ägyptens Präsident Husni Mubarak ordnete nach Auskunft seines Sprechers eine sofortige Untersuchung des Unglücks an. Über die saudi-arabische Westküste fegten in der Nacht zum Freitag starke Windböen und ein Sandsturm hinweg. Der Brand an Bord spricht aber eher für einen technischen Defekt als Unglücksursache. Auch über einen möglichen Anschlag wurde zunächst spekuliert, Anhaltspunkte dafür gibt es aber nicht. Laut ägyptischen Medien setzte das Schiff noch einen Notruf ab.
Zu wenige Rettungsboote: Vier ägyptische Rettungsschiffe hatten die Unglücksstelle rund 95 Kilometer vor der ägyptischen Hafenstadt Hurghada am Freitagnachmittag erreicht – etwa zehn Stunden nach dem Untergang der „Al Salam Boccaccio ’98“. Offenbar waren nicht genügend Rettungsboote auf dem Schiff.
Angehörige der Passagiere, die im Hafen von Safaga auf ihre Verwandten gewartet hatten, beklagten sich über einen Mangel an Information. „Es gibt hier niemanden, der uns sagt, was los ist“, empörte sich Abdul Hamid aus der Stadt Assuit, der auf seinen Cousin wartete.
Schwesterschiff im Oktober verunglückt: Das Schiff gehört dem ägyptischen Unternehmen El Salam Maritime Transport. Nach Angaben von dessen Besitzer Mamduh Ismail ist es in Panama registriert. Wie die ägyptische Hafenbehörde mitteilte, kann die Fähre mindestens 2.500 Passagiere aufnehmen.
Ein Schwesterschiff der „Boccaccio ’98“, die „Al Salam ’95“, sank im Oktober nach einer Kollision mit einem zypriotischen Frachter. Damals konnten fast alle Passagiere gerettet werden. 1991 kamen 464 Menschen ums Leben, als die „Salem Express“ vor Safaga auf Grund lief.
Die EU-Spitze reagierte bestürzt. Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner übermittelte der ägyptischen Regierung ebenso ihr Beileid wie die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik als Vertreterin der EU-Ratspräsidentschaft. Plassnik bot Ägypten im Namen der EU Hilfe zur Bewältigung des Unglücks an. Auch US-Präsident George W. Bush kondolierte den Hinterbliebenen der mehr als 1.000 Todesopfer. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien, die Angehörige verloren haben“, sagte Bush am Freitag in Washington. Der US-Präsident bot zugleich Hilfe der USA bei den Rettungseinsätzen an.
