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England: Schreckensszenen nach Explosionen in Treibstofflager

England: Langsam wird das Ausmaß nach der rätselhaften Explosionsserie in einem Treibstofflager nördlich von London Sonntagfrüh, 11. Dezember 2005, sichtbar. Bei dem anhaltenden Großbrand wurden mindestens 36 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer, sagte der Polizeichef der Grafschaft Hertfordshire, Frank Whiteley.

Alles deute auf ein Unglück hin. Das gemeinsam von Total UK und Texaco betriebene Depot bei Hemel Hempstead, das nach mehreren Explosionen in Brand geriet, ist rund 15 Kilometer vom Flughafen Luton entfernt. Whiteley schloss nicht aus, dass es zu weiteren Explosionen kommt. Die Explosion war im gesamten Londoner Raum zu hören. Über der Gegend lag auch Stunden später noch dichter schwarzer Rauch, in der Luft hing starker Benzingeruch. Die Gegend um das Tanklager wurde evakuiert, Einsatzkräfte mit Atemmasken riegelten das Gebiet ab. Whiteley sagte, der Rauch enthalte Reizstoffe, die Husten und Übelkeit auslösen könnten. Den Anrainern riet er, in ihren Häusern zu bleiben.

Wie Augenzeugen berichteten, wurden sie gegen 6.00 Uhr (07.00 Uhr MEZ) von einer gewaltigen Detonation geweckt, der weitere Explosionen folgten. Im Umkreis von mehreren Kilometern zerbarsten Fensterscheiben, gewaltige Flammen schlugen in den Himmel. Polizei und Rettungsmannschaften sperrten das Gebiet weiträumig ab. Laut einem Reporter des britischen Fernsehsenders Sky News war zunächst eine gewaltige Explosion zu hören, gefolgt von einem „tiefen, lauten Donnern“.

Kurz darauf schlugen meterhohe orangefarbene Flammen in den Himmel, eine dichte schwarze Rauchsäule stieg in den Himmel. Flammen und Rauch waren noch in zehn Kilometer Entfernung zu sehen. „Es war wie der Tag des Jüngsten Gerichts, als wären wir plötzlich in einem Brennofen“, berichtete der Anwohner Richard Ayres dem BBC-Fernsehen. Einigen Freunden seien durch die wuchtige Explosion die Dächer ihrer Häuser abgedeckt worden. Andere Anwohner erzählten, sie hätten zunächst angenommen, bei ihnen habe der Blitz eingeschlagen. Augenzeugenberichte, wonach ein Flugzeug abgestürzt sein könnte, bestätigten sich nicht.

Die nahe gelegene Autobahn M1, die London mit dem Norden Englands verbindet, wurde vorsorglich teilweise gesperrt. In Luton ging der Flugverkehr dagegen ungehindert weiter. Der Flughafen wird vor allem von Charter- und Billigfliegern genutzt. Eine Polizeisprecherin der Grafschaft sprach von insgesamt drei Explosionen. Nach ihren Worten deutete zunächst alles auf einen Unfall als Ursache hin. Erste Gerüchte, dass möglicherweise ein Flugzeug auf das Depot gestürzt ist, wies sie zurück.

Nach Angaben eines Sprechers von Total UK ist das Buncefield Öldepot ein Joint Venture zwischen dem britisch-französischen Unternehmen und dem US-Konzern Texaco. Per Pipeline versorgt es die beiden Flughäfen Luton und Heathrow mit Treibstoff. Das Depot liegt in einem Industriegebiet, in dem auch andere Ölkonzerne angesiedelt sind. Wie der Mitarbeiter Malcolm Stewart dem Sender BBC sagte, hatte sich zum Zeitpunkt der Explosionen höchstens ein dutzend Arbeiter in dem Gebiet aufgehalten.

Österreichischer Rundfunk

BBC UK, Bericht, Bilder und Video

Bilder „SPIEGEL“

Bericht der Züricher Zeitung
Eine Serie gewaltiger Explosionen hat am Sonntagmorgen eines der grössten Tanklager Grossbritanniens erschüttert und in ein flammendes Inferno verwandelt. Die Detonation war so stark, dass sie in weiten Teilen Londons und Südostenglands zu spüren war. Befürchtungen, es könnte sich um einen Anschlag gehandelt haben, bestätigten sich zunächst nicht.
Das Unglück ereignete sich nach Angaben des Radiosenders BBC am Sonntagmorgen kurz nach 6.00 Uhr Ortszeit in der Nähe des Flughafens Luton. Erste Vermutungen, ein Flugzeug könnte in die Tanks mit Öl, Benzin und Kerosin gestürzt sein oder ein Terroranschlag Ursache der Explosionen sein, bestätigten sich nicht. Der Verkehr auf dem rund 15 Kilometer entfernten Flughafen Luton war den Berichten zufolge am Vormittag nicht beeinträchtigt. Riesige Flammen loderten gen Himmel, dichter Rauch hüllte die Gebäude in der Umgebung ein. Die Feuerwehr brachte den Brand nach mehreren Stunden unter Kontrolle. Dennoch wurde zunächst mit weiteren Explosionen gerechnet.
«Es ist noch zu früh, irgend etwas zur Ursache zu sagen», sagte ein Polizeisprecher, nachdem die Polizei zunächst eindeutig von einem Unfall ausgegangen war. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen, hiess es. Nach Behördenangaben wurden 36 Menschen verletzt, vier davon schwer.
Wie Augenzeugen berichteten, wurde das Buncefield-Treibstofflager in Hemel Hempstead zunächst von einer grossen Explosion erschüttert, die noch 60 Kilometer vom Unglücksort entfernt zu hören war. Danach habe es noch drei kleinere Explosionen gegeben, hiess es bei BBC. Ein Feuerwehrsprecher sagte, mindestens zwölf Mannschaften seien im Einsatz. Der Brand sei noch nicht unter Kontrolle.

Die Flammen über dem Treibstofflager schossen den Berichten zufolge bis zu 100 Meter hoch in den Himmel. Das Treibstofflager versorgt auch den Flughafen Luton und wird von mehreren grossen Ölgesellschaften genutzt. Den Angaben nach handelt es sich um insgesamt 20 Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils rund 13,6 Millionen Litern. Über das betroffene Treibstofflager werden Benzin und andere Treibstoffe für einen grossen Teil von Südost-England verteilt.

Züricher Zeitung

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