England: Großfeuer nach Explosionen in Treibstofflager
England: Ein Treibstofflager nördlich von London ist am Morgen des 11. Dezember 2005 von mehreren schweren Explosion erschüttert worden. Die Angaben über mögliche Opfer sind widersprüchlich.
Nach einer Serie schwerer Explosionen ist Sonntagfrüh in einem Treibstofflager rund 40 Kilometer nordwestlich von London ein Großbrand ausgebrochen. Die Polizei vermutete einen Unfall. Ob es Opfer gab, war zunächst unklar. Wie Augenzeugen berichteten, wurden sie gegen 6.00 Uhr (07.00 Uhr MEZ) von einer gewaltigen Detonation geweckt, der weitere Explosionen folgten. Im Umkreis von mehreren Kilometern zerbarsten Fensterscheiben, gewaltige Flammen schlugen in den Himmel. Polizei und Rettungsmannschaften sperrten das Gebiet weiträumig ab. Das gemeinsam von Total UK und Texaco betriebene Depot bei Hemel Hempstead in der Grafschaft Hertfordshire ist rund 15 Kilometer vom Flughafen Luton entfernt.
Laut einem Reporter des britischen Fernsehsenders Sky News war zunächst eine gewaltige Explosion zu hören, gefolgt von einem „tiefen, lauten Donnern“. Kurz darauf schlugen meterhohe orangefarbene Flammen in den Himmel, eine dichte schwarze Rauchsäule stieg in den Himmel. Flammen und Rauch waren noch in zehn Kilometer Entfernung zu sehen. Die nahe gelegene Autobahn M1, die London mit dem Norden Englands verbindet, wurde vorsorglich teilweise gesperrt. In Luton ging der Flugverkehr dagegen ungehindert weiter. Der Flughafen wird vor allem von Charter- und Billigfliegern genutzt.
Eine Polizeisprecherin der Grafschaft sprach von insgesamt drei Explosionen. Nach ihren Worten deutete zunächst alles auf einen Unfall als Ursache hin. Erste Gerüchte, dass möglicherweise ein Flugzeug auf das Depot gestürzt sei, wies sie zurück. Über mögliche Opfer sei ihr nichts bekannt. Nach Angaben eines Sprechers von Total UK ist das Buncefield Öl-Depot ein Joint Venture zwischen dem britisch-französischen Unternehmen und dem US-Konzern Texaco. Per Pipeline versorgt es die beiden Flughäfen Luton und Heathrow mit Treibstoff.
Das Depot liegt in einem Industriegebiet, in dem auch andere Ölkonzerne angesiedelt sind. Wie der Mitarbeiter Malcolm Stewart dem Sender BBC sagte, hatte sich zum Zeitpunkt der Explosionen höchstens ein dutzend Arbeiter in dem Gebiet aufgehalten. Laut einem Sprecher sind die beiden Angestellten, die in dem Depot Schicht hatten, wohlauf.
„Es war wie der Tag des Jüngsten Gerichts, als wären wir plötzlich in einem Brennofen“, berichtete der Anwohner Richard Ayres dem BBC-Fernsehen. Einigen Freunden seien durch die wuchtige Explosion die Dächer ihrer Häuser abgedeckt worden. Andere Anwohner erzählten, sie hätten zunächst angenommen, bei ihnen sei der Blitz eingeschlagen. Augenzeugenberichte, wonach ein Flugzeug abgestürzt sein könnte, bestätigten sich nicht.
Die britische Nachrichtenagentur Press Association berichtete von mehreren Verletzten in einem Hotel von Hemel Hempstead. Dort seien alle Fenster durch die Wucht der Detonation geborsten. Das Hotel sei ebenso wie weitere Hotels in der Umgebung geräumt worden. Die Explosion war im gesamten Londoner Raum zu hören. Über der Gegend hing auch Stunden dichter schwarzer Rauch, in der Luft hing starker Benzingeruch.
