Frankreich: Nun auch bereits Feuerwehrleute in Krawalle involviert
Frankreich: Trotz der Ankündigungen der französischen Regierung, mit aller Härte gegen jugendliche Randalierer vorzugehen, haben sich die seit zehn Nächten andauernden Krawalle noch verstärkt.
Im ganzen Land wurden nach Polizeiangaben 1.295 Fahrzeuge in Brand gesetzt, so viele wie noch nie zuvor. 312 Personen wurden festgenommen. Erstmals war auch das Zentrum von Paris betroffen. Während der schwersten Unruhen seit Beginn der Gewaltwelle vor zehn Tagen wurden auch in der Nacht auf den 6. November 2005 wieder Geschäfte, Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen angegriffen.
Ein Schwerpunkt war die Stadt Evreux, rund 100 Kilometer westlich von Paris in der ländlichen Normandie gelegen. Dort wurden mindestens 50 Autos sowie zahlreiche Geschäfte, ein Einkaufszentrum, eine Postfiliale und zwei Schulen angegriffen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Fünf Polizisten und drei Feuerwehrleute wurden bei Auseinandersetzungen mit Randalierern verletzt.
Brandanschläge wurden aus dem ganzen Land gemeldet, darunter aus Avignon, Nizza, Cannes und Nantes im Süden, aus dem bretonischen Rennes sowie aus den nördlichen Regionen um Lille und Saint-Dizier. Im elsässischen Straßburg wurden bereits tagsüber 18 Autos in Brand gesetzt. In den Vorstädten nordöstlich von Paris setzte die Polizei Hubschrauber mit Beamten ein, die die Gruppen gewaltsamer Jugendlicher aus der Luft filmten. Etwa 2.300 Polizisten waren im Großraum Paris im Einsatz.
In Drancy im Departement Seine-Saint-Denis bei Paris nahmen Einwohner nach Informationen des Radiosenders France-Info zwei 14-Jährige fest, die einen Brand legen wollten, und übergaben sie der Polizei. Grigny im Departement Essone im Umland von Paris brannten nach Behördenangaben ein Kindergarten und zwei Schulen. Eine McDonald’s-Filiale wurde durch Brandstiftung zu großen Teilen zerstört.
Bei einem Brand in einem dreistöckigen sozialen Wohnungsbau in Athis-Mons im Essonne erlitten zwei Menschen Rauchverletzungen, rund hundert weitere mussten in Sicherheit gebracht werden.
In Mureaux (Departement Yvelines) versammelten sich am frühen Samstagabend rund 30 Jugendliche und griffen die Ordnungskräfte mit Wurfgeschossen an.
Wie ein Sicherheitsbeamter berichtete, behinderten die Randalierer das Vordringen der Polizei mit Motorradreifen und Einkaufswagen. Einige warfen eine Schranke auf ein vorbeifahrendes Auto. Brennende Autos wurden auch aus Val-d’Oise nördlich von Paris und Montargis bei Orleans gemeldet.
In der Nacht besuchte Sarkozy überraschend eine Polizeistation im Essonne, wo er sich mit festgenommenen Minderjährigen unterhielt.
Auslöser der Krawalle war der Tod zweier Jugendlicher in der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois am Donnerstag vergangener Woche gewesen. Die beiden hatten sich vor der Polizei in einem Transformatorenhäuschen versteckt und dort tödliche Stromschläge erlitten.
