40.000 Bebentote in Pakistan: Lage immer dramatischer
Pakistan: Auch zwei Tage nach dem schweren Erdbeben in Pakistan ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch unklar. In den am stärksten betroffenen Gebieten wie etwa der Provinz Kaschmir wird damit gerechnet, dass die Zahl der Todesopfer auf fast 40.000 steigen könnte.
Bisher ist der Tod von 19.400 Menschen allein in Pakistan bestätigt. Allerdings konnten die Helfer bis Montagfrüh noch nicht in alle betroffenen Orte in der abgelegenen und bergigen Region vordringen. Nach Angaben der UNO kamen zwischen 30.000 und 40.000 Menschen ums Leben. Das teilte ein Vertreter des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF am Montag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad mit.
Der Sprecher von Präsident Pervez Muscharraf, Generalmajor Schaukat Sultan, geht nach pakistanischen Medienberichten vom Montag davon aus, dass mehr als 41.000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Etwa ebenso viele Menschen seien verletzt worden. Nach Einschätzung von Beobachtern wurden Millionen Menschen obdachlos.
Das Beben der Stärke 7,6 hatte Samstagfrüh – 8. Oktober 2005 – weite Landstriche im Norden Pakistans und Indiens verwüstet. Das Epizentrum lag nur rund 95 Kilometer von Pakistans Hauptstadt Islamabad entfernt und richtete auch dort schwere Zerstörungen an. Nach Angaben eines führenden pakistanischen Meteorologen war es das schwerste Erdbeben in der Region seit 100 Jahren. In den ersten 24 Stunden nach dem Hauptbeben hätten mindestens 20 Nachbeben der Stärke fünf bis sechs die Katastrophenregion heimgesucht und die Bevölkerung weiterhin in Angst und Schrecken versetzt, hieß es weiter. Schwere Regenfälle und Erdrutsche behinderten zusätzlich die Arbeit der Helfer.
Am schlimmsten betroffen ist Kaschmir, wo nach offiziellen Angaben etwa 70 Prozent aller Häuser zerstört wurden. Die meisten Toten soll es in Muzaffarabad, der Hauptstadt des von Pakistan kontrollierten Teils von Kaschmir, gegeben haben.
Auch in Indien starben Hunderte Menschen. Angesichts unzähliger Vermisster befürchten die Behörden in den betroffenen Regionen ein noch schrecklicheres Ausmaß der Katastrophe.
Inzwischen sind weltweite Hilfsaktionen angelaufen. Muscharraf appellierte an die Weltgemeinschaft, seinem Land Transporthubschrauber zur Verfügung zu stellen. Nur die Helikopter könnten dringend benötigte Hilfsgüter wie Zelte, Decken und Medikamente in die Katastrophenregion bringen. Kein Transportflugzeug könne in den Gebirgen der Himalaya-Ausläufer landen.
Die Vereinigten Staaten sagten Pakistan 50 Mio. Dollar (41 Mio. Euro) zu. Angesichts der Verheerungen seien die USA zu „schneller und kraftvoller Hilfe“ bereit, sagte Präsidentensprecher Scott McClellan in der Nacht auf Montag in Washington. Am vorrangigsten würden Feldlazarette, Notunterkünfte und Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung benötigt, sagte eine Sprecherin der Katastrophenhilfe der Vereinten Nationen. „Wir stehen vor großen logistischen Problemen. Wir brauchen beispielsweise mehr Transporthubschrauber“, sagte auch sie. Der UNO zufolge sind vor allem Kinder von dem Erdbeben betroffen, denn sie machen rund die Hälfte der Bevölkerung in dem Krisengebiet aus.
Hilfsangebote für die Erdbebenregionen kamen innerhalb weniger Stunden aus der ganzen Welt. Die Weltbank stellte 20 Millionen Dollar (16,5 Mio. Euro), die Europäische Union 3,6 Millionen Euro bereit. Australien versprach 380.000 Dollar. Deutschland und die Niederlande sagten jeweils eine Million Euro zu. Auch Pakistans Erzrivale Indien versprach zu helfen. Hilfsorganisationen und Papst Benedikt XVI. riefen zu Spenden auf.
