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Tausende Tote bei Erdbeben in Indien/Pakistan

Pakistan/Indien: Bei einem schweren Erdbeben der Stärke 7,6 in Pakistan und weiten Teilen Südasiens hat es Samstagfrüh, 8. Oktober 2005, mindestens 1.000 Tote gegeben. Am schlimmsten betroffen war die Region Kaschmir.

Alleine im pakistanischen Teil Kaschmirs sind laut offiziellen Angaben 1.000 Menschen ums Leben gekommen, meldet die Nachrichtenagentur AP. Insgesamt wurden demnach mindestens 1.700 Menschen in Pakistan und Indien getötet. Die verheerenden Ausmaße des Bebens wurden im Laufe des Tages immer deutlicher. So starben im Nordwesten Pakistans mindestens 400 Schulkinder, wie am Samstagabend bekannt wurde. 350 Kinder wurden im Bezirk Mansehra unter den Trümmern eines Schulgebäudes begraben uind getötet, in einer anderen Schule desselben Bezirks kamen 50 Kinder ums Leben. Das Zentrum des Bebens lag nach einer Mitteilung der US-Erdbebenwarte 80 Kilometer nordnordöstlich von der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

Der Sprecher der pakistanischen Armee, Shaukat Sultan, sagte, es sei mit „Tausenden Toten“ zu rechnen. „Die Zerstörungen sind enorm.“ Die am stärksten betroffene Region sei Kaschmir, fügte er hinzu. „Wir haben Berichte über verbreitete Schäden in den nördlichen Gebieten Pakistans erhalten“, sagte Militärsprecher General Shaukat Sultan. Ganze Dörfer seien von Erdrutschen verschüttet worden.
„Es ist eine nationale Tragödie. Es ist das schwerste Erdbeben der jüngsten Zeit.“ Soldaten und Hubschrauber seien in die betroffenen Regionen entsendet worden, um nach Überlebenden zu suchen. Erdrutsche erschwerten jedoch den Zugang zu einigen Ortschaften.

Das Beben erschütterte auch Teile Afghanistans und war bis nach Bangladesch zu spüren. In Islamabad stürzten Teile eines zehnstöckigen Hochhauses ein. Ein Wachmann sagte, etwa 40 Wohnungen seien in sich zusammengefallen. In den Trümmern könnten Hunderte Menschen gefangen sein. Aus der gesamten Region wurden mehrere hundert Verletzte gemeldet. In vielen Städten in der gesamten Region liefen die Menschen in Panik auf die Straßen.

In Indien rannten Fernsehberichten zufolge Tausende von Menschen in Panik aus den Häusern. In der Region Jammu und Kaschmir brach das Telefonnetz zusammen. Kinder wurden sicherheitshalber aus Schulgebäuden gebracht.
In Neu-Delhi sprachen Einwohner von Augenblicken des Horrors: „Die Wände und Gebäude wackelten, die Scheiben klirrten. Ich war völlig in Panik, habe dann aber irgendwie mein drei Monate altes Baby genommen und bin die Treppe runtergerannt“, erzählte Hausfrau Laxmi Gupta. Ausläufer des Bebens waren bis in den Bundesstaat Madhya Pradesh, rund 700 Kilometer südlich der indischen Hauptstadt, zu spüren.
Unterdessen wurden auch Teile Indonesiens von einem Erdbeben erschüttert. Besonders betroffen war die Provinz Aceh, wo die Menschen in Panik gerieten. Berichte über Opfer oder Schäden nach dem Erdstoß der Stärke 5,8 gab es jedoch nicht.

Die EU-Kommission bietet Pakistan Hilfe nach dem schweren Erdbeben an. Entwicklungskommissar Louis Michel teilte in Brüssel mit, dass Experten der Behörde rasche Hilfe schon vorbereiteten. Derzeit gehe es vor allem darum, verlässliche Informationen aus den betroffenen Gebieten zu bekommen. Auch das Österreichische Bundesheer ist für einen Einsatz im Erdbebengebiet in Afghanistan, Pakistan und Indien gerüstet. Wie Presseoffizier Wolfgang Schneider am Samstagnachmittag mitteilte, ist jedoch „noch kein offizielles Hilfeersuchen beim Bundesheer eingelangt“.

Zwei österreichische Bergsteiger, die die Besteigung des Nanga Parbat planen, sind zurzeit in der betroffenen Region in Pakistan unterwegs, berichtete Außenamtssprecherin Astrid Harz am Samstagnachmittag. Die Alpinisten hatten am Mittwoch mit ihren Angehörigen telefoniert und sich sozusagen „abgemeldet“. Sie hätten erst wieder am Mittwoch kommender Woche Gelegenheit, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen. Vertretungsbehörden in Islamabad versuchten, eine Kontaktperson der österreichischen Alpinisten an Ort und Stelle anzurufen, bisher vergeblich, da die Telefone dorthin nicht funktionieren.

ORF

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