Ktn: Im Einsatz statt im Büro – Kein Urlaub für freiwillige Helfer
Kärnten: 200.000 Einsatzstunden hatten die Kärntner Feuerwehrleute im vergangenen Jahr verzeichnet. Die Situation in den Betrieben, in denen die Männer beschäftigt sind, wird dadurch verschärft, zumal es keine Entschädigung gibt.
Die Zahl der Katastropheneinsätze steigt kontinuierlich. Die Hochwassereinsätze der letzten Wochen haben die Situation für die Arbeitgeber der freiwilligen Helfer verschärft. Derzeit müssen die freiwilligen Helfer für ihre Einsätze Sonderurlaub beantragen, einen Anspruch darauf haben sie aber nicht. Eine geplante Entschädigung für den Arbeits-Ausfall ist noch immer nicht geregelt. Die Problematik trifft nicht nur die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren, auch andere Organisationen wie Rotes Kreuz oder die Bergrettung sind betroffen.
Seit Jahren wird eine politische Lösung des Problems gefordert, in Sicht ist noch keine. Feuerwehrkommandant Johann Erschen ist selbst Unternehmer und kennt die Problematik: „Wir haben einen Tischlereibetrieb mit elf Mitarbeitern. Die Hälfte von ihnen ist bei der Feuerwehr. Es ist sicher nicht leicht, denn wenn während der Betriebszeit ein Einsatz ist, muss man schon schauen, dass nicht alle gleichzeitig zum Einsatz gehen. Trotzdem muss der Betrieb den Verlust an Arbeitskräften abfangen.“
Es gibt inzwischen immer mehr Arbeitgeber, die schon bei Bewerbungsgesprächen danach fragen, ob der potentielle neue Mitarbeiter bei einer Hilfsorganisation tätig ist. Landesfeuerwehrkommandant Josef Meschik fürchtet um die Möglichkeit auch in Zukunft effiziente Hilfe bei Katastrophen leisten zu können. „Durch die angespannte Arbeitsmarktsituation wird es immer schwieriger, Betriebe zu finden, die Feuerwehrleute während der Arbeitszeit für Einsätze freistellen. Spitzt sich diese Situation weiterhin zu, wird einmal jener Punkt erreicht werden, von den Feuerwehren die öffentliche Sicherheit nicht mehr in dem Umfang gewährleistet werden kann, wie es heute Standard ist.“
Eine Erleichterung für die Betriebe, die Katastrophen-Einsatzkräfte beschäftigen, könnte – bis zu einer bundesweiten Regelung – die Wiedereinführung des Entgeldfortzahlungs-Fonds sein. Das hat Feuerwehrreferent Peter Ambrozy vor eineinhalb Monaten gefordert. Eine österreichweite Lösung des Problems müsste im Arbeitsministerium gefunden werden, weil das Arbeitsrecht geändert werden muss. Thematisiert wurde dieses Thema schon nach dem Hochwasser in Niederösterreich vor drei Jahren, eine Lösung zeichnet sich auch hier nicht ab.
