Technisch

Tirol: Hochwassereinsatz in Wörgl – Tag 1 – 3

Wörgl (Tirol): Tag 1 (23.08.2005): „Wassereinbruch in der Unterguggenbergerstraße“ lautete die Piepserdurchsage zum ersten Einsatz um 08:02 Uhr. Das Auspumpen des betroffenen Kellers konnte um 08:55 Uhr beendet werden. In der Zwischenzeit spitzte sich die Lage immer mehr zu.

Der Pegel des Inn begann immer schneller zu steigen. Um den, direkt neben dem Inn liegenden, Ortsteil Söcking zu schützen wurde anfangs mit Sandsäcken und Schaltafeln ein Damm entlang der Ufer des Inn und der Brixentaler Ache errichtet. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass dies nicht ausreichen wird. Es wurden mehrere Traktoren und LKW sowie zwei große Radlader angefordert. Diese errichteten einen über 1,5 Meter hohen Damm entlang des Inn. Als klar wurde, dass auch dieser Damm den Wassermassen nicht standhalten kann, wurde mit der Evakuierung der ersten Wohnhäuser im Ortsteil Söcking begonnen.
Auch die Pegelstände der übrigen Wörgler Bäche begannen auf Grund des enormen Rückstaues durch den Inn zu steigen.
Die Lage beim Pumpwerk Gießen wurde derweil immer kritischer. Die Leistung der drei Pumpen reichte nicht aus, um die enormen Wassermassen weg zu befördern. Hinzu kam, dass der Pegelstand des Inn immer mehr stieg und dass Fangbecken zwischen Pumpwerk und Inn überzugehen begann.
Als die Evakuierung des Ortsteiles Söcking bereits beendet war, wurde es auch für die Einsatzkräfte eng. Die Unterführung nach Söcking sowie die Zufahrt über Angath waren nicht mehr befahrbar. Als schließlich das Fangbecken beim Pumpwerk dem Druck des Inn nicht mehr standhielt mussten die Einsatzkräfte den Rückzug antreten.
Der Schwerpunkt war nun, alle Unterführungen, die Söcking mit dem Zentrum von Wörgl verbinden, zuzuschütten, um ein Überfluten des Zentrums zu vermeiden.
Diese Barriere hielt dem Wasser jedoch auch nur eine begrenzte Zeit stand. Schon nach Kurzem war der gesamte westliche Teil von Wörgl 2 Meter hoch überflutet.

Um einen Damm von der Autobahn bis zum Pumpwerk aufzuschütten, wurde die Autobahn komplett gesperrt. Mehrere LKW und zwei Bagger begannen den Damm zu bauen. Nach einigen Stunden und etlichen Schotterfuhren entspannte sich die Lage und das Wasser begann langsam wieder Richtung Inn zu fließen. Der Damm wurde soweit fertig gestellt, dass es bei einem erneuten Steigen des Pegels nach kurzer Zeit möglich ist, diesen zu schließen.

Bereits am Nachmittag wurden die Feuerwehren Kufstein und Kirchbichl sowie die Wasserrettung mit Booten angefordert, um Personen in den abgeschnittenen Häusern zu bergen. Im Laufe der Nacht wurde mit insgesamt fünf Booten nach eingeschlossenen Personen gesucht.
Die geborgenen Personen wurden im Betagtenheim sowie in den umliegenden Schulen versorgt.

Den Einsatzkräften blieb nichts anderes übrig als die letzen eingeschlossenen Personen zu bergen und auf ein Sinken des Pegels zu warten.

Tag 2 (24.08.2005):
Über Nacht ist das Wasser um ein weiteres Stück abgesunken. Die Feuerwehrmänner des KHD Niederösterreich haben im Schichtbetrieb den Sauna- und Umkleidebereich der Wörgler Wasserwelt „Wave“ ausgepumpt.
Um 06:00 Uhr fand sich der Krisenstab der Stadt Wörgl zu einer Krisensitzung.
Der Pegelstand ist in der Nacht um ca. 1 Meter abgesungen. So war es also den Einsatzkräften möglich um 07:30 Uhr mit den Aufräumungs- und Pumparbeiten zu beginnen.
Umliegende Feuerwehren aus den Bezirken Kufstein und Kitzbühel sowie ein Zug des Katastrophenhilfsdienstes Niederösterreich trafen im Feuerwehrgerätehaus ein.
Den eingetroffenen Feuerwehren wurden bestimmte Straßen zugeteilt. Der KHD Niederösterreich übernahm die Pumparbeiten in der Wörgler Wasserwelt „Wave“, wo der ganze Sauna- und Umkleidebereich unter Wasser stand. Insgesamt ist dies eine Fläche von 2500 m2, auf der das Wasser bis zu 6 Meter hoch gestiegen ist.

Erst jetzt war das gewaltige Ausmaß der Schäden sichtbar. Ein sehr großes Problem ist das Heizöl, welches aus unzähligen Tanks ausgetreten ist. Spezialfahrzeuge der Firma Daka wurden angefordert um dieses zu binden.

Es war den Feuerwehren möglich die ersten überfluteten Garagen, Keller und Gebäude auszupumpen. Da das Wasser jedoch noch nicht ganz zurückgegangen ist, ist es beim Großteil der betroffenen Gebäude noch nicht möglich Pumparbeiten vorzunehmen.

Am 1. und 2. Tag standen neben unzähligen freiwilligen Helfern folgende Hilfsorganisationen im Einsatz:

Rotes Kreuz
Samariter Bund
Wasserrettung
Bergrettung
Bundesheer
KHD Niederösterreich
sowie zahlreiche Feuerwehren!

Sie rückten gegen 07:00 vom �Wave� ab und begannen eine bis oben hin gefüllte Tiefgarage beim EKZ Interspar auszupumpen.

Das Sinken des Wasserpegels ermöglichte den Zugang zur Prandtauerstraße und zum Madersbacherweg, wo das Wasser am 1. Tag noch bis zu 2 Meter hoch stand.
Die angerückten Feuerwehren aus den Bezirken Kufstein und Kitzbühel wurden nach Straßen eingeteilt und arbeiteten sich, der Dringlichkeit des Objektes nach, durch.

Währenddessen ist aus Südtirol ein Katastrophenhilfszug der Berufsfeuerwehr Bozen mit einem Fahrzeugaufgebot von 33 Fahrzeugen eingetroffen. Der KHZ Südtirol versorgt sich zur Gänze selbst mit Verpflegung und Treibstoff. Die starken Pumpen des KHZ Südtirol wurden eingesetzt um den Wasserspiegel beim Spar sowie beim Pumpwerk Gießen zu senken.
Auch der KHD Niederösterreich setzte seine Pumpen hierfür ein.

Im Laufe des Tages ist auch ein KHZ aus Oberösterreich eingetroffen. Es hat sich auch ein Hilfszug aus Schwertberg angeboten, welcher zurzeit jedoch nicht benötigt wird und auf Bereitschaft bleibt.
Es melden sich auch immer wieder sehr viele freiwillige Helfer.

Die Unterführung zum Ortsteil Söcking wurde von einigen Traktoren mit Güllefässern soweit ausgepumpt, dass eine Durchfahrt möglich ist. Es wurde auch in Söcking bereits mit dem Auspumpen der Wohnhäuser begonnen.

Als sehr großes Problem haben sich zahlreiche Heizölaustritte bzw. �tanks herausgestellt. Es drohte immer wieder Heizöl auszulaufen bzw. in die Kanalisation zu fließen. Dies wurde von mehreren Fahrzeugen der Firma Daka und der Firma Freudenthaler sowie von einigen Traktoren mit Güllefässern abgepumpt.

Es wurden erste Sammel-Container für Sperrmüll von der Gemeinde bereitgestellt, die jedoch bei weitem nicht ausreichen. Der gesammelte Sperrmüll wurde von LKW direkt zur Mülldeponie Riederberg gebracht.
Ein Teil des angeschwemmten Schlamms (wenn auch nur ein kleiner) wurde von etlichen Radladern, LKW und Traktoren beseitigt.
Ein Ende der Aufräumungsarbeiten ist noch nicht vorherzusehen, vermutlich werden die Einsatzkräfte noch Tage im Einsatz sein.

Folgende Feuerwehren standen am 3. Tag im Einsatz:
Fieberbrunn
Aschau bei Kirchberg
Kirchberg
Aurach
Going
Hopfgarten
Bruckhäusl
Bad Häring
Oberau
Kitzbühel
BF Sandoz Kundl
Itter
St. Johann in Tirol
Niederau
Kundl
Oberndorf
Kirchbichl
Kössen
Auffach

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