Nö: Einsatzübung „Pkw stürzt in Weidenbach – Lenker beinahe ertrunken“
Gänserndorf (Nö): Bei dieser Gesamtübung (d.h. alle Mitglieder der Feuerwehr sind aufgerufen, an dieser Übung teilzunehmen) am 23. Mai 2005, galt es, das bei zahlreichen Modulausbildungen in den vorangegangen Wochen aufgebaute Wissen in der Praxis anzuwenden.
Die Übungsausarbeiter stellten den Einsatzleiter gleich vor 3 ordentliche Herausforderungen: Menschenrettung unter erschwerten Bedingungen, Austreten von gefährlichen Stoffen in einem Bachbett (Übungsannahme!) sowie die Bergung des Pkws und Lkw-Anhängers mit den Mittel des technischen Zuges.
Übungsannahme:
Auf der Landesstraße 11 kurz vor der nördlichen Ortseinfahrt nach Gänserndorf kam der Lenker eines Pkws in den Gegenverkehr und kollidierte mit einem mit Heizöl beladenen Sattelzug. Durch die Wucht des Aufpralles wurde der Pkw in das angrenzende Bachbett des ca. 50 cm tiefen Weidenbaches geschleudert und kam hier auf der Fahrerseite zu liegen. Aufgrund des Zusammenstoßes kam auch der Sattelzug von der Fahrbahn ab, der Anhänger stürzte auf den Pkw ebenfalls in das Bachbett.
Um 18:00 Uhr erhielt der technische Zug die Alarmmeldung „VU auf der L 11 Richtung Prottes – Pkw gegen Sattelzug, Austritt eines unbekannten Stoffes“
Bei der Anfahrt erhielt der Einsatzleiter im Vorausfahrzeug bereits die Information über die Einsatzzentrale, dass es sich bei dem austretenden Stoff vermutlich um Heizöl mit der UN-Nummer 1202 handle. Bereits bei der Anfahrt gab er den Befehl, das Gefahrenblatt über die Einsatzdatenbank im Kommandofahrzeug ausdrucken zu lassen.
Die Erkundung ergab folgendes Bild:
• beide Unfallfahrzeuge liegen im Bachbett
• beim Sattelzug handelt es sich wie bereits durch die Leitstelle angekündigt um einen Anhänger der mit dem Stoff „1202 UN-Nummer“ beladen ist und Leck geschlagen hat. Im Weidebach kann man Ölschlieren erkennen.
• der Pkw liegt auf der Fahrerseite, der Unfalllenker (realistischer Übungsdummy mit 80 kg Körpergewicht) hängt im Gurt und ist mit dem Oberkörper und Kopf unter Wasser.

Die Besatzung des Einsatzvorausfahrzeuges sicherte die Unfallstelle ab, baute einen einfachen Brandschutz auf und begann parallel dazu mit der Menschenrettung. In diesem Fall war eine Crashrettung angesagt und der Pkw-Lenker wurde so rasch als möglich aus der lebensbedrohlichen Lage befreit. Die Retter standen dabei in der Erstphase selbst knietief im doch kalten Wasser und vor allem im Schlamm.
Nach eineinhalb Minuten konnte der Verunfallte aus dem Pkw befreit und dem nachfolgenden Rettungsdienst übergeben werden. Die Besatzungen des nachrückenden technischen Zuges bestehend aus Kommandofahrzeug, Tanklöschfahrzeug 3000, Rüstfahrzeug, Kranfahrzeug sowie das alarmierte Schadstofffahrzeug bauten sofort einen dreifachen Brandschutz auf und es wurden Ölsperren errichtet. Als Erstmaßnahme wurden 3 A-Saugschläuche im 45 Grad Winkel über den Bach gelegt.

Weiters wurde ein B-Schlauch mit Auspuffgasen gefüllt, an beiden Seiten verschlossen und so schwimmend auf die Wasseroberfläche gelegt. Als dritte Ölsperre wurde dann eine Netzschlauchsperre ebenfalls im 45 Grad Winkel im Bachbett verankert. Nach diesen 3 Ölsperren konnte man sehen, dass das eingebrachte Medium, nur mehr sehr schwach zu erkennen war.
Über die Einsatzleitung wurde auch die Betriebsfeuerwehr der OMV Gänserndorf alarmiert und um Unterstützung gebeten. Diese aktivierte eine der 5 fixen Ölsperren entlang des Weidenbaches. Die teilnehmende Mannschaft der FF Gänserndorf wurde auch in der Bedienung dieser Fixsperren geschult.
Nach Abdichten der Leckage wurde zuerst der Pkw und dann der Sattelzug mittels der beiden Seilwinden der FF Gänserndorf aus dem Bachbett geborgen. Auch hier war der Einsatzleiter HLM Dengler gefordert.
Erkenntnisse:
• Über die verfügbaren Gefahrenblätter im Kommandofahrzeug und in der Einsatzzentrale kann sich der Einsatzleiter bereits bei der Anfahrt wichtige Informationen einhohlen.
• Dank den guten Ausbildungsstand des technischen Zuges auch auf dem Bereich „Rettungsdienst“ konnte hier eine klare und schnelle Entscheidung für eine Crashbergung gefällt werden.
• Der Einsatz des neu angeschafften Übungsdummys ist für eine reale Übungsdarstellung von großem Nutzen.
• Der Ausbildungsschwerpunkt „Öleinsatz“ im Frühjahr hat sich bewährt – die Ölsperren wurden sehr wirkungsvoll platziert.
• Beim Bergen, vor allem des Lkw – Anhängers, gab es wieder einmal Gelegenheit die volle Routine der Einsatzkräfte der FF Gänserndorf auszuspielen. HLM Dengler überraschte mit seiner Bergemethode -> frei nach dem Motto: viele Wege führen nach Rom.
Ausgearbeitet wurde die Übung von OLM Fischer. Die Übungsbeobachter, Kommandant HBI Koller und Ausbildungsbrandmeister HBM Böhm, zeigten sich mit dem Übungsablauf und dem Ausbildungsstand im Bereich des technischen Einsatzes sehr zufrieden.
