Madrid: Wolkenkratzerbrand wird zum Kriminalfall
Madrid (Spanien): Die Ermittlungen nach dem Großbrand im bekannten Madrider Wolkenkratzer Torre Windsor am vergangenen Wochenende haben nun eine überraschende Wendung genommen.
Das spanische Fernsehen zeigte am 18.2.2005 Amateuraufnahmen, auf denen gegen 3.30 Uhr am vergangenen Sonntag mindestens zwei Personen in dem Gebäude zu sehen sind. Die Löschmannschaften hatten nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt das Gebäude aber bereits verlassen. Stets war auch behauptet worden, das Hochhaus sei komplett menschenleer gewesen.
Nach der Ausstrahlung der Bilder teilte die Madrider Stadtverwaltung nun mit, bei den rätselhaften Gestalten könne es sich nicht um Einsatzkräfte handeln.
Nun müsse untersucht werden, inwiefern diese Personen im Zusammenhang mit dem Feuer stünden. Laut einem Bericht der spanischen Tageszeitung „El Mundo“, die auch Aufnahmen des Amateurvideos zeigt, seien die Personen im 16. Stock des Gebäudes entdeckt worden.
Nicht klar sei jedoch, in welchen Büroräumlichkeiten sie sich aufgehalten hätten – „El Mundo“ spekuliert, es sei das Büro der Firma Deloitte gewesen. Laut Angaben der Firma habe sich aber „nichts Spezielles“ in den gezeigten Räumlichkeiten befunden.
Um 3.52 Uhr in der Brandnacht seien die Behörden dann auch von einem Anrufer (der sich 200 Meter vom Gebäude entfernt befunden habe) verständigt worden, dass sich Personen in dem Gebäude befunden hätten.
Die Immobilienfirma Ason, der der Torre Windsor gehört, verlautete am Samstag gegenüber „El Mundo“ zudem, dass ein Kurzschluss in dem Gebäude unmöglich zu einem Brand geführt haben könne. Man müsse nun den tatsächlichen Ursachen des Brandes auf den Grund gehen.
Bisher wurde nach offiziellen Angaben von einem Kabelbrand als Ursache des Unglücks ausgegangen. Der 106 Meter hohe Windsor-Turm im Finanzzentrum Madrids war in der Nacht zum vergangenen Sonntag vollständig abgebrannt.
Das Feuer konnte erst am späten Sonntagabend – fast 24 Stunden, nachdem es entdeckt worden war – gelöscht werden. Es war das nach Regierungsangaben spektakulärste in Spanien seit 50 Jahren. In Madrid, das sich ja für die Olympischen Spiele 2012 bewirbt, hatte das Feuer Erinnerungen an die M11-Anschläge wachgerufen.
Am Freitag wurde nun mit den Vorbereitungen zum Abriss begonnen. Dazu werden je 300 Tonnen schwere Kräne eingesetzt. Die Kosten werden auf mehr als 20 Mio. Euro geschätzt. Das Hochhaus, eines der höchsten Gebäude der spanischen Hauptstadt, war zuletzt nicht genutzt worden, da es gerade umgebaut wurde. Bis zum Umbau diente der Torre Windsor als Bürogebäude. Das Hochhaus ist gut 25 Jahre alt.
