Feuerwehrmann bekommt Probleme mit der Stadt
Deutschland: Für die Feuerwehren wird es immer schwieriger, freiwillige Kräfte einzusetzen, weil die Arbeitgeber nicht mitspielen.
‚Feuer 2‘ zeigt das Display seines Piepsers an. Eile ist geboten, wie Dieter T. aus seiner langjährigen Erfahrung bei der Freiwilligen Feuerwehr in Frechen weiß. Die Alarmstufe bedeutet, dass mindestens ein Zimmer brennt. Eventuell auch ein ganzes Haus. ‚Das weiß man nicht, bevor man nicht am Einsatzort ist.‘ Nur eines erfährt Dieter T. noch von seinem speziellen Meldegerät: die Adresse des Brandortes. ‚Rathaus. Johann-Schmitz-Platz 1-3.‘
Der Angestellte beim Grünflächenamt der Stadtbetriebe lässt spätestens jetzt die Gartenschere fallen. Vom Friedhof St. Audomar, wo er gerade dabei war, die Hecken zu schneiden, lässt er sich von einem Kollegen zum Einsatzort fahren. Dort angekommen, stellt sich für ihn heraus, dass im Bürgeramt das Kabel einer Elektroheizung durchgeschmort ist. Zum Glück muss niemand in Sicherheit gebracht werden. 30 Minuten später ist Dieter T. wieder zurück auf seiner Baustelle am Friedhof. Der Fall ist trotzdem nicht erledigt.
Denn für Dieter T. gibt es ein Nachspiel. Einige Tage später wird er zu einer ‚Anhörung‘ gebeten. Seine Vorgesetzten bei der Stadt werfen ihm ‚Pflichtverletzungen‘ vor: Er habe sich ‚unentschuldigt‘ vom Arbeitsplatz entfernt. Ohne Abstimmung mit einem Vorgesetzten habe er einen Kollegen dazu bewegt, ein betriebseigenes Fahrzeug für außerbetriebliche Angelegenheiten zu benutzen, heißt es in dem Protokoll. Dieter T. hat jetzt Angst, dass er eine Abmahnung bekommt.
‚Solche Fälle hatten wir im Kreis bereits‘, sagt Kreisbrandmeister Ludwig Bodden. Erst kürzlich habe ein Arbeitgeber aus Elsdorf einem seiner Mitarbeiter unmissverständlich klar gemacht, dass er die Einsätze bei der freiwilligen Wehr nicht länger dulde. Denn die Arbeit bleibe liegen. Dass die Stadt für die ausgefallenen Stunden den Lohn bezahle, ändere daran nichts.
Trotzdem gibt es laut Bodden keine Alternative zur Organisationsform der Freiwilligen Feuerwehr. ‚Eine Berufsfeuerwehr ist viel zu teuer.‘ Deshalb sind die Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis alle freiwillig und werden lediglich durch hauptamtliche Kräfte unterstützt. Immerhin schlägt die Stelle eines hauptamtlichen Wehrmanns jährlich mit rund 50 000 Euro zu Buche. Die Feuerwehren in Bergheim, Elsdorf und Bedburg müssen sogar ganz ohne Hauptamtliche auskommen. Sie sind im Besonderen auf die Unterstützung von Arbeitgebern angewiesen. Das Gesetz über Feuerschutz und Hilfeleistungen schreibt vor, dass Feuerwehrleute freigestellt werden müssen und dass ihnen wegen ihres Ehrenamtes keine Nachteile entstehen dürfen. Trotzdem sei es oft so, dass bei Einstellungsgesprächen die Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr als Minuspunkt gewertet werde. Bei Kündigungen würden Chefs einfach andere Gründe vorschieben, weiß Bodden.
Frechens Stadtbrandmeister Harald Band und die Stadtbetriebe wollen jetzt in einem Gespräch klären, wie sich bei der Stadt angestellte Feuerwehrleute künftig verhalten sollen, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden. ‚Dabei ist es unrealistisch, dass die Betroffenen erst umständlich herumtelefonieren, um sich abzumelden.‘ Auch Band kann nicht auf die Mithilfe dieser Leute verzichten. Um tagsüber 40 Leute für einen Einsatz zusammenzukriegen, müssten mindestens 80 gefragt werden. Richard Esser, Geschäftsführer der Stadtbetriebe, will ebenfalls einen gemeinsamen Weg mit der Frechener Wehr finden. Bürgermeister Hans-Willi Meier lege jedenfalls großen Wert darauf, dass die Feuerwehrleute freigestellt würden: ‚Da schließe ich auch die Stadt und ihre Beteiligungsfirmen ein.‘
In der Nachbarstadt Pulheim gebe es keine bürokratischen Hürden. Egal, ob Mitarbeiter des Bauhofs oder der Verwaltung, – würden die Leute zu einem Einsatz gerufen, könnten sie alles stehen und liegen lassen, sagt Stadtsprecher Dirk Springob. Vorgesetzte müssten nicht explizit informiert werden. Der Bürgermeister in Dormagen, Heinz Hilgers, bewertet bei Einstellungsgesprächen das ehrenamtliche Engagement bei der Feuerwehr sogar als positiv.
Vor allem kleinere Unternehmen können sich das aber nicht leisten. Malermeister Hermann-Josef Faltermann, auch bekannt als Ortsvorsteher von Bergheim-Thorr, kann ein Lied davon singen. Denn sein bei ihm angestellter Schwiegersohn ist bei der Feuerwehr. ‚Kommt ein Notruf, kann er nicht einfach den Pinsel fallen lassen und den Kunden in einer halbfertigen Wohnung sitzen lassen‘, sagt Faltermann. Anfangs habe die Abstimmung zwischen ihm und seinem Schwiegersohn nicht geklappt. Jetzt werde von Fall zu Fall zu entschieden. Manchmal hole sein Schwiegersohn die Arbeit nach dem Einsatz nach.
In großen Firmen wie RWE-Power ist die Toleranzschwelle größer. Allerdings nur in Bereichen, wo die Produktion oder die Sicherheit nicht eingeschränkt werden. ‚Der Führer eines Schaufelradbaggers kann nicht einfach verschwinden. Vorher muss einer gefunden werden, der einspringt.‘
Dieter Garbe, stellvertretender Löschzugführer in Bergheim, befürchtet, ‚dass die Motivation der Menschen, bei der Feuerwehr Dienst zu leisten, abnehmen wird.‘ Gleichzeitig steige stetig die Zahl der Einsätze aufgrund der größeren Bevölkerungsdichte. Dieter T. ist nun sehr verunsichert. Seinen Pieper lässt er jetzt erst einmal zu Hause. Er will lieber nicht so schnell wieder während der Arbeitszeit zu einem Einsatz gerufen werden.
