Technisch

Verletzter Pkw-Lenker schoss auf Ersthelfer

Kuchl (Sbg): Es kommt nicht alle Tage vor: Die Freiwillige Feuerwehr Kuchl (S) wird mittels Sirene und Rufempfänger von der Bezirksnachrichtenzentrale ‚Florian Tennengau‘ zu einem Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person gerufen. Beim Eintreffen am Unfallort, eine unfallträchtige Kreuzung auf der Bundesstraße 159, bietet sich den Einsatzkräften vorerst ein schon öfters gesehenes Bild eines Verkehrsunfalles:

Ein Pkw rammt ein Buswartehäuschen aus Beton, dessen Seitenteile auf dem Unfallauto liegen, der Fahrer ist eingeklemmt und nicht ansprechbar. Nicht weit entfernt, befindet sich eine, von Passanten betreute verletzte Person. Routinemäßig werden die Sperre der Bundesstraße (Exekutive und Rotes Kreuz noch nicht vor Ort), die Absicherung der Unfallstelle, Aufbau des Brandschutzes, Betreuung der Verletzten und die Rettung der eingeklemmten Person begonnen, und da wird es ungewöhnlich: Die ansprechbare Person, übrigens ein Feuerwehrkamerad aus dem benachbarten Scheffau, neben dem zerstörten Wartehäuschen weist einen Bauchdurchschuss auf und stammelt: ‚Ich wollte dem Fahrer helfen und der ‚Trottel‘ schießt auf mich‘. Auch der nicht ansprechbare Unfalllenker hat im Schläfenbereich einen Einschuss und wird nach dem Befreien aus dem Fahrzeug der eintreffenden Rettung übergeben, er verstirbt später im Krankenhaus Salzburg …

Die Ermittlungen der Kriminalabteilung ergaben folgendes: Ein 39j. Mann aus dem Flachgau fuhr am 11.08.2004 mit seinem Pkw sowie einem Anhänger auf der Salzachtel Bundesstr., B159, von Golling kommend in Richtung Hallein. Er war alleine im Fahrzeug. Etwa bei Strkm 17,600, Gemeindegebiet Kuchl, Bezirk Hallein, fuhr er in selbstmörderischer Absicht nach rechts gegen ein aus Betonplatten gebautes Wartehäuschen eines öffentlichen Verkehrsmittels, riss dieses komplett nieder und blieb wenige Meter nach dem Unfallort stehen. Ein 52j. Lkw-Lenker aus Golling wurde Augenzeuge dieses Unfalles, blieb sofort stehen und lief zum verunglückten Kfz hin um Hilfe zu leisten. Als er versuchte die Fahrertüre des verunglückten Pkws zu öffnen, schoss ihm der Pkw-Lenker mit einem Bolzenschussapparat in den Bauch. Kurz darauf schoss sich der 39j. damit selbst in den Kopf … Was wäre, wenn … Was wäre, wenn im Wartehäuschen Personen auf den nächsten Bus gewartet hätten – sie wären chancenlos gewesen …

Was wäre, wenn nicht der hilfreiche Feuerwehrkamerad aus Scheffau der Ersthelfer gewesen wäre, sondern die Einsatzkräfte der
Feuerwehr Kuchl …?

Trotz der traurigen Gewissheit, dass ein Helfer für seine vorbildliche Tat leider bestraft wurde – wir wünschen unserem Feuerwehrkameraden aus Scheffau alles Gute – muss man sagen, dass es noch schlechter ausgehen hätte können und wie das katastrophale Busunglück am Vortag im ebenfalls Nachbarort Hallein mit 5 Toten und 43 verletzten Personen zeigt, auch leider oft ausgeht. Unsere Gedanken sind bei den Verletzten, den Toten und ihren Angehörigen, aber auch bei allen Einsatzkräften und Helfern …

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