Sprung aus der Flammenhölle – 2 Fw-Leute schwer verletzt
Berlin (Deutschland): Der Tag nach dem Brand in Moabit: Feuerwehrmänner bangen um ihre zwei schwer verletzten Kameraden! Von Michael Behrendt.
‚Meine Männer standen in einer Flammenhölle. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass sie die Folgen dieses Einsatzes überleben und das Krankenhaus gesund verlassen können‘, sagt Berlins Feuerwehrchef Albrecht Broemme einen Tag nach dem folgenschweren Einsatz in Moabit. Wie berichtet, hatten sich zwei Feuerwehrmänner aus dem brennenden Haus in ein Sprungkissen gestürzt – 18 Meter tief. ‚Sie wären verbrannt, es gab keine Fluchtmöglichkeit.‘
Zunächst hatte alles nach Routine ausgesehen, als die Feuerwehr am Freitag um 17.55 Uhr zu einem Brand im ersten Stockwerk an der Beusselstraße 72 gerufen worden war. Broemme: ‚Es gehört zu unserer Taktik, dass ein Trupp nach oben geht und alle Treppenhausfenster öffnet oder einschlägt, damit Qualm und Hitze abziehen können. Doch als die beiden oben waren, brannte das Treppenhaus plötzlich lichterloh. Der Fluchtweg war abgeschnitten.‘
Ihr Leben verdanken die 30 und 36 Jahre alten Feuerwehrmänner ihren Kameraden am Boden. Die hatten die Entwicklung beobachtet und auch an der rückwärtigen Seite des Mehrfamilienhauses ein Sprungkissen aufgebaut, in das die beiden schließlich sprangen. Doch niemand außer ihnen wird nachempfinden können, was ihnen in diesen Momenten durch den Kopf gegangen sein mag. Laut Test hält die Einsatzkleidung der Berliner Feuerwehr 800 Grad heiße Flammen etwa zehn Sekunden ab. ‚Die beiden standen bestimmt eine Minute und länger im Feuer. Sie hatten den Tod vor Augen. Sonst stürzt sich niemand 18 Meter in die Tiefe. Auch wenn dort ein Sprungkissen wartet, die Überwindung dafür ist immens‘, erläutert Albrecht Broemme. Er selbst war zum Zeitpunkt des Brandes auf einer Hochzeitsfeier, raste sofort zum Einsatzort, als der Lagedienst ihn über die Ereignisse informierte. ‚Ich erkannte an der Stimme des Anrufers, dass es schlimm sein muss.‘
Der 30 Jahre alte Feuerwehrmann erwischte genau die Mitte des Sprungkissens, zog sich dennoch einen komplizierten Beckenbruch mit Beeinträchtigung der Wirbelsäule und elfprozentige Verbrennungen zu. Seinen Kameraden erwischte es schlimmer: Er stand als Zweitspringer nicht nur länger im Feuer, sondern das Kissen konnte sich in der Zeit nicht so schnell wieder mit Luft füllen – der Mann kam am Rand des Luftsacks auf. Die Diagnose: Brüche beider Arme und Beine, 30 Prozent seiner Haut sind verbrannt. Der Mann wurde ins künstliche Koma versetzt, nur so seien die Schmerzen zu ertragen. Der 30-Jährige ist wieder bei Bewusstsein. Er wird auch psychologisch betreut.
Beide gehören der Freuwilligen Feuerwehr Moabit an, die an diesem Tag Übungsdienst hatte und mit der Berufsfeuerwehr der Wache Moabit ausrückte. Beide gelten als erfahrene Feuerwehrmänner. Broemme und seine Kollegen sind in Gedanken bei ihnen und ihren Familien. Wütend wird er, wenn er an die Brandursache denkt: ‚Die Mieterin der Brandwohnung hat etwas unter dem Sofa gesucht und sich dabei mit einem Feuerzeug geleuchtet. Wegen einer solchen Dummheit wären um ein Haar zwei Menschen gestorben.‘
