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Deutschland: Rettung einer Ratte sorgt für Diskussionen

Niendorf (Deutschland): Weil eine fette Wanderratte im Gullydeckel feststeckte, musste die Feuerwehr in Niendorf anrücken. Nach erfolgreicher Rettung mit Hilfe von Schmieröl brachten die Einsatzkräfte den Nager zur Gesundheitskontrolle ins Tierheim Süderstraße. Tierschutz oder Irrsinn?

Ratten fühlen sich in Hamburg sauwohl. Volle Mülleimer, den ganzen Winter über leckeres Vogelfutter und jede Menge schützende Kanalisation.

Die Schädlingsbekämpfer des Hygiene-Instituts mussten im vergangenen Jahr in 1250 Fällen aktiv werden und ganze Horden der vermehrungsfreudigen Nager bekämpfen. Besonders in Wandsbek und entlang der Isebek warnen Schilder vor Rattengift.

Die Tiere werden in großem Stil vergiftet. Nicht eingerechnet sind in den Zahlen die Schädlingsbekämpfer, die von Privatpersonen und Firmen gerufen werden. Allein die SAGA verzeichnet 1500 Ratten-Einsätze im Jahr.

Doch wie passt das zusammen? Auf der einen Seite werden sie als Schädlinge verfolgt, auf der anderen Seite gibt es einen aufwendigen Rettungseinsatz für ein einzelnes Tier? Bei der Feuerwehr stellt sich diese Frage nicht. Sie ist für „Tierrettung“ in Hamburg zuständig und hat keine Wahl.

Sie muss anrücken, wenn sie wie in diesem Fall von einem Passanten gerufen wird – egal ob Katze auf dem Baum oder Ratte in Gefahr. Im vergangenen Jahr gab es 752 Tierrettungen bei insgesamt 250.000 Einsätzen.

In Berlin ist das schon seit zehn Jahren anders geregelt. Dort muss derjenige, der die Feuerwehr zur Tierrettung ruft, den Einsatz auch bezahlen. Im Februar sollte eine Frau für die Rettung ihres Hundes 14.000 Euro zahlen, weil die Feuerwehr sieben Stunden lang einen Dachsbau aufgraben musste.

„Wir machen uns hier zum Kasper!“, sagt Daniel Dahlke, Vorsitzender des Berufsverbandes der Feuerwehr. „Wir wollen uns endlich auf unsere Kernaufgaben konzentrieren.“ Die Feuerwehr sei notorisch unterbesetzt und könne ihre zentralen Aufgaben kaum noch bewältigen.

Derzeit könne es auch dazu kommen, dass ein Team gerade eine Ratte rettet, während woanders Kräfte bei einem Löscheinsatz fehlen.
Der verfressenen Ratte geht es übrigens gut. Das Tierheim hat sie bereits wieder in die Natur entlassen.

Hamburger Morgenpost

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