Deutschland: Feuerwehr unter Druck -> Übergreifender Großbrand in Krefeld
Krefeld (Deutschland): Der Großbrand eines Holzfachmarkts in Krefeld hat am Dienstagmorgen, 10. Juli 2012, noch immer mehr als hundert Feuerwehrleute beschäftigt. Das Feuer griff auch auf mehrere Handwerksbetriebe und einen Supermarkt über. Die Feuerwehr soll fast eine Stunde vergeblich versucht haben, Wasser aus Hydranten zu bekommen.
Ein Großbrand hat am Montagabend in Krefeld eine Holzhandlung im Gewerbegebiet an der Mevissenstraße komplett zerstört. Noch am Dienstagmorgen liefen die Löscharbeiten. „Das Feuer hat auf Werkstattgebäude wie eine Schreinerei und einen Kfz-Betrieb übergegriffen“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Dienstagmorgen. An die Brandnester in dem Handwerkerhof kämen die Feuerwehrleute nur schlecht heran. Der Brand des Holzhandels war dagegen unter Kontrolle. Vermutlich entstand durch das Feuer ein Millionenschaden. Menschen wurden nicht verletzt.
Auf einer Fläche von 60 mal 30 Metern sei ein „riesiges Trümmerfeld“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Krefeld. Teilweise seien die Flammen 15 bis 20 Meter hoch geschlagen. Der Rauch war aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen. Laut Augenzeugen ging die Asche sogar in den weit entfernten Ortsteilen Linn und Oppum nieder. Immer wieder waren rund um den Brandort Explosionen zu hören, die offenbar durch Verpuffungen ausgelöst wurden.
„Das ist wirklich ein außergewöhnlich großes Feuer“, sagte der Feuerwehrsprecher am Montag. In der Nacht waren Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz. Sie wurden von Kollegen aus den umliegenden Städten abgelöst. Sämtliche Feuerwehren vom Niederrhein sind alarmiert worden und versuchten gemeinsam mit den Krefelder Kollegen, den Großbrand unter Kontrolle zu bringen.
Hydranten nicht funktionsfähig?
Der Hausmeister, der auf dem Gelände des Holzhandels wohnt, bemerkte das Feuer und alarmierte die Feuerwehr; die 54 Mitarbeiter des Unternehmens waren zu diesem Zeitpunkt bereits zu Hause. Parallel informierte auch ein Wachdienst die Beamten. Zwischen dem Alarm und dem Löschen soll laut Augenzeugen viel Zeit vergangen sein. Es habe Probleme mit der Wasserversorgung gegeben. „Es funktionierte kein Hydrant, das ist unglaublich. Das hätte nicht passieren müssen“, sagte der Juniorchef des Holzhandels, Matthias Roeren, unserer Redaktion.
Nachdem kein Hydrant auf dem Betriebsgelände zu öffnen gewesen sei, habe die Feuerwehr erst nach einer dreiviertel Stunde mit dem Löschen beginnen können. Sie habe von einem Baumarkt Löschwasser heranleiten müssen. Das sei auf Videos von herbeigeeilten Mitarbeitern und Schaulustigen dokumentiert. Später sei es nur gelungen, Hydranten mit schwerem Gerät zu öffnen.
Die Feuerwehr kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen: „Natürlich gab es massive Probleme, genügend Wasser zu bekommen – das ist bei einem solchen Großbrand aber normal, wenn mehrere tausend Liter Wasser auf einmal benötigt werden“ , sagte ein Sprecher der Feuerwehr unserer Redaktion. Als die Retter eintrafen, brannte es schon in vollem Ausmaß. Irgendwann habe der Wasserdruck aus den Hydranten nicht mehr gereicht. „Daraufhin haben wir unsere eigene Wasserversorgung aufgebaut“, sagt der Sprecher. Mit Pumpen wurde das Wasser unter anderem aus offenen Gewässern zum Brandort geleitet. Der Sprecher der Feuerwehr hat keine Kenntnis darüber, dass sich Hydranten nicht haben öffnen lassen.
Wer für die Wartung und Funktion der Hydranten zuständig ist, ist unterschiedlich: Teilweise haben die Betriebe dafür Sorge zu tragen, teilweise sind die Stadtwerke in der Pflicht. Wie genau die Lage bei den von Roeren beanstandeten Hydranten lag, ist noch nicht bekannt.
Schwarzer Rauch über Krefeld – chaotische Zustände
Gegen 20 Uhr soll das Feuer im Lagergebäude der Holzhandlung ausgebrochen sein, gegen 20.30 Uhr stand die Hauptverwaltung des Unternehmens bereits in Flammen. Das Feuer griff nach ersten Erkenntnissen der Polizei sehr schnell um sich. Um 21 Uhr hatte das Feuer schon auf den benachbarten Supermarkt übergegriffen. Mitarbeiter und Kunden mussten den Supermarkt verlassen und wurden in die Eissporthalle gebracht. Die Zustände waren laut Augenzeugen chaotisch: Menschen suchten nach ihren Angehörigen, von denen sie getrennt worden waren.
Die Krefelder Feuerwehr forderte Unterstützung aus den umliegenden Städten am Niederrhein an. Löschzüge der Feuerwehren aus Willich, Mönchengladbach, Viersen und Düsseldorf halfen bei der Bekämpfung des Feuers. Auch die Werkfeuerwehr von ThyssenKrupp wurde alarmiert. Hunderte Beamte waren im Einsatz.
Das Feuer breitete sich trotz intensiver Löscharbeiten immer weiter aus. Die Flammen drohten am Abend auch auf ein benachbartes Kleingartengrundstück überzugreifen. Peter Erbe, Miteigentümer des angrenzenden früheren Kasernengeländes, fürchtet um seine 250 Meter lange Halle: „Es ist unglaublich, was wir an Brandschutzauflagen erfüllen müssen. Wir haben 300 Feuerlöscher auf dem Gelände, und die Feuerwehr hatte kein Wasser.“
rp online (mit Bildern und Video)
