Oö: Freiwillige Feuerwehr Steyr hielt Rückblick auf 2010 -> Jahr des Sparbudgets
Steyr (Oö): Bei der 132. Vollversammlung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Steyr am 29. April 2011 wurde Bilanz über das Jahr 2010 gezogen, und die nackten Zahlen sprachen Bände:
55.291 Stunden wurden von den 292 Mitgliedern der FF Steyr geleistet, nicht eingerechnet darin die Unterstützung durch die vier im Stadtgebiet von Steyr ansässigen Betriebsfeuerwehren. Bezirks-Feuerwehrkommandant Oberbrandrat Robert Lumesberger rechnete der Versammlung mit den zahlreich erschienenen Ehrengästen aus Politik, Polizei, Rotem Kreuz und Wirtschaft sowie dem Feuerwehrwesen vor, dass dies bei einem angenommenen Stundensatz von 20,- Euro einen personellen Aufwand von 1.105.820,- Euro bedeutete, den die Florianijünger für die Gemeinschaft unentgeltlich leisteten! Auch die Stadtgemeinde Steyr wurde durch die Finanzkrise der letzten Jahre schwer getroffen, dies wirkte sich auch auf die Feuerwehr aus, die aus freiem Willen nur das Allernotwendigste in das Budget eingab und alle weiteren Wünsche auf spätere Jahre verschob. Beschafft wurden unter anderem Ausrüstungsgegenstände, die dem unmittelbaren Schutz der Einsatzkräfte dienten wie neue Einsatzuniformen, die dem letzten Stand der Schutztechnik entsprechen. Weiters wurde die Schlagkraft durch ein neues Universallöschfahrzeug (ULF) beim Löschzug 1 Innere Stadt erhöht, und der Technische Zug erhielt neue Tore, die nicht nur die Ausfahrten erleichterten, sondern durch Einsparungen bei den Heizkosten Geld in die Stadtkasse zurückbringen werden. In weiterer Folge wird in die Alarmierungsanlage und neue Personenrufempfänger investiert werden, was die Mannschaftsstärke bei Einsätzen erhöhen und die Ausrückungszeiten weiter verkürzen sollte.
Der Bezirks-Feuerwehrkommandant ging weiter auf den Personalstand der Feuerwehr ein, der durch eine gezielte Mitgliederwerbeaktion im Jahr 2010 wiederum erhöht und verjüngt werden konnte. Entgegen einiger Medienberichte sei gerade dadurch durchaus kein „Feuer am Dach“ bei der Feuerwehr. Auch die Jugendarbeit hob er hervor, die die Basis für die Zukunft darstellte.
Zwar blieb die Stadt Steyr im Jahr 2010 von Hochwassern verschont, dennoch waren sie ein Thema bei der Vollversammlung, da gerade mit der 3. und letzte Stufe des Hochwasserschutzes 200.000 Kubikmeter Gestein aus dem Ennsfluss entfernt wurden. Die Wirkungen bei einem Hochwasser blieben genau zu beobachten, z.B. wie sich die höhere Fließgeschwindigkeit und damit der höhere Durchsatz auswirken würden. Lumesberger ging auch auf das geplante Kraftwerk am Ennsfluss ein, das auf die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr auf dem Wasser sicherlich negative Auswirkungen haben würde, weil es durch die Staustufe zu Verzögerungen beim Erreichen der Einsatzorte zu Wasser käme!
Der Kommandant schloss seine Ansprache mit Dankesworten und guten Wünschen an seine Funktionäre und Mannschaften, die anderen Blaulichtorganisationen und Behörden, den Steyrer Bürgermeister, Stadtsenat und Gemeinderat, sowie mit dem Ausblick auf ereignisreiche kommende Jahre, wenn die Steyrer Feuerwehr 2014 ihr 150. Gründungsjubiläum feiern würde.
Zu Beginn der Jahreshauptversammlung wurde der im Jahr 2010 verstorbenen Mitglieder der FF Steyr gedacht: Josef Kurzwernhart (80), Karl Burian (78) und Peter Reimann (57).
Der Bezirks-Kassenführer Hauptamtswalter Franz Forsthuber legte seinen Rechenschaftsbericht über das Jahr 2010 vor und wurde nach Bericht der Rechnungsprüfer von der Vollversammlung einstimmig entlastet. Im Anschluss gab Abschnitts-Feuerwehrkommandant Brandrat Gerhard Praxmarer einen Überblick über das Einsatzgeschehen 2010:
Der Mitgliederstand betrug mit 31.12.2010 292 Mann, davon 224 im Aktivstand, 46 Reservisten und 22 in der Jugendgruppe. Die Feuerwehr musste 123 Brandeinsätze bestreiten, davon 80 Brandmeldealarme ohne tatsächlichen Brand. Dazu gab es 66 Alarmierungen wegen Brandverdacht, fingierte Anrufe etc. Der Technische und der Wasserzug bewältigten 172 technische Einsätze, davon 15 Verkehrsunfälle. Weiters wurden 206 Dienste verschiedener Art geleistet Im Ganzen musste die FF Steyr demnach 501 Mal ausrücken. Es gab glücklicherweise weder Großbrände zu verzeichnen, noch – dank der guten Ausbildung und Ausrüstung – größere Verletzungen der Feuerwehrkameraden.
Praxmarer bedankte sich weiters bei den Betriebsfeuerwehren von MAN, BMW Motoren, SKF und des Landeskrankenhauses Steyr mit ihren insgesamt 234 Mann, die einen unverzichtbaren Bestandteil des Feuerwehrwesens in Steyr darstellten, und ohne die die FF Steyr ein Vielfaches an Ausrückungen zu bewältigen hätte, für ihre Unterstützung und die gute Zusammenarbeit.
In weiterer Folge wurden verdiente Mitglieder der Feuerwehr ausgezeichnet, beginnend bei der Feuerwehrjugend. Das Abzeichen für den Wissenstest in Bronze erhielten Markus Oberrather, Marcel Oberstrass und Patrick Weißenbacher. Mit dem silbernen Abzeichen für ihre Leistungen belohnt wurden Lukas Ecker, Hannes Fuchs, Emil Gruber, Michael Leyer, Josef Oberlindober, Alexander Orbes und Stefan Rieß. Florian Maresch wurde mit dem Wissenstestabzeichen in Gold ausgezeichnet.
Für 15-jährige Mitgliedschaft in der FF Steyr ausgezeichnet wurden Wolfgang Adam, Stefan Bader, Patrick Barth-Hamersky, Andreas Hönig, Herbert Mekina jun., Markus Nikolai, Roland Oberrather, Karl Putz und Martin Scheuchl. Eine Neuigkeit ergab sich dadurch, dass die Gründung der Betriebsfeuerwehr des Landeskrankenhauses genau 15 Jahre zurücklag, wodurch von dieser Feuerwehr folgende Mitglieder das 15-jährige Dienstabzeichen erhielten: Leopold Ecker, Hermann Enser, Herbert Fuchs, Josef Großeiber, Erich Prantl und Alois Scharrer.
Für 25 Jahre Dienstzeit ausgezeichnet wurde Daniel Biegel. Ehrenurkunden für 50 Jahre Dienst in der Feuerwehr erhielten Franz Schützenhofer, Karl Hochrather und Helmut Halbritter. Hr. E-BM Johann Pötz wurde für 60jährige Mitgliedschaft geehrt.
Das Oberösterreichische Verdienstkreuz III. Stufe wurde überreicht an Markus Schaumberger, Robert Kastner und Rudolf Groß. Mit dem Oberösterreichischen Verdienstkreuz II. Stufe geehrt wurden Reinhard Frühauf, Paul Herzog, Josef Kleeberger und Johann Rosensteiner (Betriebsfeuerwehr SKF). Das Verdienstkreuz II. Stufe des Österreichischen Bundes-Feuerwehrverbandes erhielt Kurt Weißengruber sen..
Die Medaille des Bezirks-Feuerwehrkommandos wurde an Gruppeninspektor Gerald Rammerstorfer von der Polizei Steyr für die jahrelange gute Zusammenarbeit übergeben. Herr Karl Leitner wurde die Florianiplakette der FF Steyr für jahrelange bereitwillige Versorgung der Feuerwehr mit Backwaren bei Einsatztätigkeiten überreicht.
Und schließlich erhielt Stadtrat Wilhelm Hauser eine Stele in Form eines Y, dem Symbol der Stadt Steyr, für seinen unermüdlichen Einsatz für die Feuerwehr im Bereich des Österreichischen Bundesheeres.
Hauptbrandinspektor Max Zamazal wurde zum Abschluss der Auszeichnungen sein Dienstgrad in Form eines Ehrendienstgrades überreicht.
Im Anschluss wurden Feuerwehrmänner angelobt, die mindestens 12 Monate bei der FF Steyr im Aktivstand waren und die Grundausbildung in der Feuerwehr abgeschlossen hatten. Es sind dies Patrick Breitwieser, Florian Hornbachner, Christian Künstler, Andreas Polterauer, Florian Vielhaber, Markus Winter und Thomas Winter. Nach der von Abschnitts-Feuerwehrkommandant Praxmarer vorgetragenen Gelöbnisformel bekräftigten sie ihr Versprechen dem Bürgermeister und dem Bezirkskommandanten mit Handschlag.
Es folgten die Ansprachen der höchsten anwesenden Ehrengäste. Der Bürgermeister und Feuerwehrreferent von Steyr Gerald Hackl lobte die versammelte, sichtbare Schlagkraft der Feuerwehrmänner. Kaum eine andere Institution hätte einen derartig hohen Beliebtheitsgrad und eine Reputation, die ständig neu verdient werden müsste und auch würde. Auch er ging auf den neuen Hochwasserschutz der Stadtgemeinde ein, der Hochwasser nicht verhindern könne, aber dabei, wie 2009 bereits bewiesen wurde, den Wasserstand um 1 – 1,5 Meter senken würde. Dies sei ein Jahrhundertprojekt, wie es in dieser Größenordnung noch nie da gewesen sei.
Der Landes-Feuerwehrinspektor, Ing. Alois Affenzeller, überbrachte die Grüße des Landes-Feuerwehrkommandanten und bedankte sich für die Berichte und beeindruckende Rückschau. Er sprach besonders der Feuerwehrjugend ein großes Kompliment aus, die landesweit zu ca. 80% in den Aktivstand übertreten würde. Die heutige schnelllebige Zeit verlangte immer rascheres Reagieren auf neue Normen und Änderungen bei Ausrüstung und Fahrzeugen. Das Feuerwehrwesen arbeitete an einem langfristigen Projekt mit dem Namen „2030″, das die Zukunft der Feuerwehren sichern sollte. Affenzeller bedankte sich ebenfalls bei den anwesenden Behörden und Einsatzorganisationen für die gute Zusammenarbeit und bei den Funktionären und Mitgliedern der Feuerwehr Steyr für ihre kameradschaftliche Zusammenarbeit.
Der Bürgermeister von Wolfern Franz Schillhuber, als Landtagsabgeordneter Vertreter der Landesregierung, betrachtete in seiner Ansprache die Feuerwehr als Garant, dass bei Naturkatastrophen auch vorausschauend geholfen würde, wie das Beispiel Hochwasserschutz und die Einbindung der Feuerwehr darin zeigte. Land Oberösterreich und der Bund würden hier unterstützend mitwirken. Die Sorgen der Feuerwehren würden von der Politik in Angriff genommen, z.B. das Lenken von Feuerwehrfahrzeugen bis 5,5 Tonnen mit dem B-Führerschein. Aber auch der C-Führerschein für schwerere Kfz bis über 20 Tonnen sei immer noch genauso wichtig, in diesem Sinne bedankte er sich ebenfalls bei Stadtrat Hauser für die wichtige Zusammenarbeit mit dem Bundesheer, wo sowohl Lenkerausbildung als auch praktische Erfahrung stattfänden. 2010 seien in Oberösterreich immerhin 73 neue Feuerwehrfahrzeuge überreicht worden, für die Einsatzfahrer gebraucht würden. Er schloss mit dem Wunsch für 2011 nach unfallfreien Einsätzen und keinem Hochwasser.
Nachdem es keine weiteren Wortmeldungen mehr gab, schloss Bezirks-Feuerwehrkommandant Lumesberger die 132. Vollversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Steyr. Mit einem gemeinsamen Abendessen klang die Versammlung aus.
