Diskobrand: Lokal war überfüllt und Türen versperrt
Argentinien: Bis zu 188 Personen sind bei einem Brand in einer überfüllten Discothek in Buenos Aires ums Leben gekommen. Der Besitzer des Lokals wurde verhaftet. Trauernde Angehörige haben sich in der Nacht Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Sie forderten Zugang zu den in der Leichenhalle verwahrten Toten.
Die Behörden in Buenos Aires haben nach eigenen Angaben drei Jugendliche identifiziert, die durch den Abschuss von Feuerwerkskörpern den Brand vermutlich verursachten. Man wisse aber noch nicht, ob die drei unter den Opfern seien. Laut der Polizei stieg die Zahl der Toten am Sonntag auf 188, nach Spitalangaben lag sie bei 177. Der Bürgermeister von Buenos Aires, Aníbal Ibarra, erklärte, das Unglück sei auf das «unverantwortliche Handeln» von Besuchern, auf geschlossene Notausgänge und auf die Überfüllung des Lokals zurückzuführen. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.
Wütende Angehörige lieferten sich in der Nacht auf Sonntag Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie forderten Zugang zu den in der Leichenhalle verwahrten Toten. Einige von ihnen warteten bereits anderhalb Tage vor dem Gebäude der Rechtsmedizin. Der Protestzug, an dem rund 400 Demonstranten teilnahmen, begann vor der ausgebrannten Diskothek «República Cromagnon». Trauernde legten dort Fotos, Blumen und Abschiedsbriefe an die Opfer nieder. Viele der Opfer konnten zunächst nicht identifiziert werden, weil sie keine Papiere bei sich hatten.
Die Disco hatte eine Kapazität von 1300 Besuchern. In der Nacht zum Freitag sollen sich dort zwischen 3000 und 6000 zumeist Jugendliche zu einem Rock-Konzert versammelt haben. Das Feuer sei von der Feuerwehr relativ schnell gelöscht worden, berichteten Augenzeugen. Für das Ausmaß der Katastrophe seien der Rauch, die Dunkelheit und eine Panik entscheidend gewesen. Die meisten Opfer starben an einer Rauchvergiftung.
«Viele waren betrunken. Statt zu den Ausgängen zu laufen, rannten sie in die obere Etage, wo die Toiletten waren. Dort erstickten sie oder wurden von anderen zu Tode getrampelt», berichtete Roberto Gutierrez, Kellner einer benachbarten Bar, der bei den Rettungsarbeiten half. Unter den Todesopfern waren auch zahlreiche Kinder, die das Konzert mit Eltern oder älteren Geschwistern besucht hatten. Sie waren zum Zeitpunkt des Brandes in einer zum Hort umfunktionierten Damentoilette betreut worden.
Die Behörden sollen den Disco-Besitzer in jüngster Zeit schon öfters wegen Sicherheitsmängeln gewarnt haben. Nach seiner Festnahme wurde er am Wochenende verhört. Ihm werden Totschlag und Körperverletzung zur Last gelegt. Die Regierung von Präsident Néstor Kirchner ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.
Zahlreiche Veranstaltungen zum Jahreswechsel waren abgesagt worden. Die Hauptstadt verbot zudem alle weiteren Konzerte dieser Art in Discos und ordnete deren Schließung für 15 Tage an.
